Hans Kruppa
Im Sommer 2007 habe ich meine Bücherregale aufgeräumt. Dabei bin ich etwas ungeschickt vorgegangen, und ein paar Bücher kippten herunter. Reflexartig versuchte ich sie aufzufangen. Gelungen ist mir das aber nur mit einem Buch. Ein schmales Taschenbuch mit dem Titel Reden und Gleichnisse des Tschuang Tse. Ich begann darin zu blättern und zu lesen. Dabei wurde mir nicht zum ersten Mal bewusst, dass diese kleinen Texte wirklich faszinierend sind, tiefsinnig und zugleich federleicht. Tschuang Tse war ein sehr interessanter, weiser Mann: Philosoph, Dichter, Lebenskünstler und Mystiker in einer Person. Ich stand also vor dem Bücherregal, las fünf, sechs seiner Geschichten – und plötzlich bekam ich unwiderstehliche Lust, einen Roman über ihn zu schreiben.
Vieles bei der Entstehung dieses Buches ist unbewusst oder intuitiv abgelaufen. Der Schreibprozess verlief taoistisch: ziellos, planlos. Warum ich über nur drei Tage in seinem Leben geschrieben habe, kann ich Ihnen rational nicht begründen. Es hat sich so ergeben. Ich hatte das Gefühl, dass diese kurze Zeitspanne und drei Hauptpersonen genügen würden, um die faszinierende Weisheit dieses Mannes zu vermitteln, um sie in eine spannende Handlung einzubinden, die dem heutigen Leser entgegenkommt. Denn wenn man Tschuang Tses Geschichten und Gleichnisse hintereinander liest, ermüdet man recht schnell, während eine Handlung, die auch mal actiongeladene Szenen hat, dem Leser die Möglichkeit bietet, sich von der Weisheit gewissermaßen zu „erholen“ und sie auf sich wirken zu lassen.
Tschuang Tse empfand das Geld als schrecklichste Erfindung von allen, weil es die Besitzgier des Menschen ins Unermessliche steigert
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