„Es ist eine Gnade, dass wir keine Gedanken lesen können“

„Es ist eine Gnade, dass wir keine Gedanken lesen können“

Im Gespräch mit Nachtt alker und Autor Jürgen Domian

Seit 1995 talkt Jürgen Domian nachts live im WDRFernsehen und Radio mit Gott und der Welt. Nebenbei macht sich der 52-Jährige einen Namen als Autor. In diesen Tagen erscheint sein zweiter Roman Der Gedankenleser. Vorab plauderte der gebürtige Gummersbacher über geheime Gedanken und Inspiration und verrät, warum er sich zeitweilig von der Religion abwandte.

Foto: Jürgen Domian 05 © vvg - koeln

In Ihrem zweiten Roman wird jemand durch einen Blitzschlag zum Gedankenleser. Würde es Sie reizen, Gedanken lesen zu können?

Nein! Ich glaube, es ist eine große Gnade, dass wir Menschen das nicht können. Wir würden sonst an unseren Mitmenschen verzweifeln.

Wie sind Sie auf die Idee zum Buch gekommen?

Es ist schwer zu sagen, wie Ideen konkret entstehen. Ich glaube, dass meine Arbeit als Nachttalker natürlich eine große Inspirationsquelle ist. Ich habe in den letzten 15 Jahren über 18.000 Interviews geführt. Dadurch habe ich in so viele Köpfe hineingelauscht. Dabei haben mir die Menschen so viele geheime Gedanken offenbart, die sie noch nie jemandem zuvor erzählt hatten. Das findet natürlich auch seinen Niederschlag in meiner Arbeit. Ich glaube sowieso, dass alles was an Literatur entsteht – vom Trivialen bis hin zur Hochliteratur – nie zu trennen ist vom Leben und den Erfahrungen des Schreibers. Die Grundidee für den Roman hatte ich schon lange in meinem Kopf. Gestalt nahm sie während einer Gebirgswanderung in Nord-Norwegen an. In der Stille und Zurückgezogenheit dort draußen dachte ich mir, das ist es, genauso wirst du es machen.“

Ich glaube, dass man den richtigen Weg nur in der Stille findet.

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