Am Haus des Friedens bauen

Am Haus des Friedens bauen

In allen Jahrhunderten haben sich Sufis für das Wohl ihrer Mitmenschen eingesetzt. Denn Gottesliebe lässt sich nicht von Menschenliebe trennen. Anna Platsch , Schülerin der Sufi-Meisterin Irina Tweedie und Buchautorin, war im Mai im Jemen unterwegs und besuchte Scheich Abdulrachman al-Marwani, der die Friedensorganisation Dhar as-Salam gründete und als Mediator Friedensarbeit an der Basis leistet.

Das Deutsche Haus in Sanaa hatte mich eingeladen. Ich sollte aus meinem neuen Buch lesen. Die Einladung bestand allerdings nur aus der Einladung selbst und einem Honorar von fünfzig Euro. So
brauchte ich eine Weile, bis ich einen günstigen Flug und mein Reisegeld beieinander hatte. Der Jemen ist, was die materielle Situation der Menschen betrifft, ein extrem armes Land. Und ein extrem reiches Land, was die Beziehung zwischen den Menschen angeht. Und diesen Reichtum würde ich gerne erforschen, weil hier bei uns ein solcher Mangel besteht. Wie geschieht es? Wie geschieht die tiefe Herzensfreundlichkeit, die keinerlei professionellen Trainings bedarf? Wie geschieht es, dass man nicht allein gelassen wird? Wie geschieht es, dass diese Männer und Frauen, die auch dort beginnen, freundschaftlich zusammen zu arbeiten, es in einem völlig neuen Geist tun ohne Konkurrenz, ohne Kampf miteinander. Wie kommt es, dass die Menschen Zeit miteinander haben? Wie kommt es, dass ein Gast sich um nichts kümmern muss? Man wird einfach weitergereicht – so ist für einen gesorgt.

„Sufismus ist Liebe und Frieden, Sufis haben kein Interesse am Töten, nur an der Liebe.“

Die Kultur der Toleranz festigen

Ich war vor gut einem Jahr in den Jemen gereist, um einen Mann für mein Buch zu interviewen, der im Jemen Friedensarbeit leistet. Ich hatte gehört, dass er Sufi wäre. Die Arbeit für den Frieden sei wie der Ruf des Weisen, erzählte er mir. Scheich Abdulrachman al-Marwani meint, dass eine Festigung der Kultur der Toleranz die Voraussetzung für die Verbreitung des Weltfriedens sei und dass der Terrorismus und die Gewalt in all ihren unterschiedlichen Formen und Namen die Sicherheit der Menschheit beeinträchtigen und den Fortschritt der Zivilisation hemmen. Das erfordere von allen Nationen und jedem einzelnen Menschen der Welt, dass sie eine klare Haltung gegenüber Terrorismus und Gewalt einnehmen; das heißt, in Frieden miteinander zu leben, damit die Menschheit sich aufmachen könne in eine neue Ära ihrer verheißungsvollen Zukunft und der geteilten Sicherheit. Im ganzen Jemen hängen die Schilder der Friedensorganisation Dhar as-Salam: eine mit rotem Balken durchgestrichene Waffe. Das ist das äußere Bild. Aber im Inneren ist es ein tiefes Bild der Menschlichkeit. „Überall im Jemen, wo immer du hingehst, wirst du von unserer Arbeit hören“, erklärte Scheich Abdulrachman. „Wir sprechen nicht für den Islam, wir sprechen für alle Menschen, für Menschlichkeit; nicht weil wir Muslime sind, sondern als Menschen für alle Menschen.“ Das gibt es also in den staubigen Straßen jenes Landes, das für so viele von uns noch mit einem alten sehnsuchtsvollen Traum verbunden ist: Menschen ...

Wir hoffen, Sie finden diese Vorschau auf den Artikel aus dem Magazin VISIONEN interessant!
Es würde uns sehr freuen, Sie als neuen Abonnenten des Magazins begrüßen zu dürfen.

eZ Publish™ copyright © 1999-2012 eZ Systems AS