Wer den Weg des Zen wirklich praktizieren möchte, wird dabei bald merken, dass er mit seinem so genannten gesunden Menschenverstand nicht weiterkommt. Dies heißt jedoch nicht, dass er seinen Intellekt einfach ausschalten sollte, denn sonst brauchten wir ja nur alle Idioten zu werden, um zur Erleuchtung zu gelangen.
Es geht vielmehr darum, unseren Verstand zu übersteigen, zu transzendieren, damit wir uns unseres wahren Wesens bewusst werden können. Unser wahres Wesen aber ist unser ursprüngliches Sein vor aller Geburt, das nie geboren wurde und niemals sterben wird. Es hat keine Ursache und bewegt sich nicht auf ein Ziel hin. Es ist das ewig Ur- Seiende, das wir alle in unserem Wesen sind. Dieses Wesen ist jedoch verdeckt durch unsere Vorstellungen und Gedanken, die wir ständig auf die Wirklichkeit projizieren. Die allermeisten Menschen sind sich dessen aber nicht bewusst und meinen, dass sie Herren ihrer Gedanken wären. So leben sie völlig unbewusst dahin und sind überhaupt nicht präsent.
Die alten chinesischen Zen-Meister wollten ihre Schüler aus ihrem von Verhaltensmustern und Denkmodellen geprägten Leben heraus- und hineinführen in ein neues freies Leben. Die Schüler nahmen oft lange und beschwerliche Wege auf sich, um von einem Zen-Meister zu lernen. Der Unterschied zwischen einem Zen-Lehrer und einem Zen-Meister besteht darin, dass ein wirklicher Zen-Meister keine Lehre verkündet. Er wendet einfach Methoden an, um seine Schüler dahin zu bringen, dass sie aus ihrem geistigen Schlaf erwachen.
Es geht darum, unseren Verstand zu übersteigen, zu transzendieren, damit wir uns unseres wahren Wesens bewusst werden können.
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