Der bekehrte Jäger

Der bekehrte Jäger

Eine tantrische Weisheitsgeschichte

Zwei unheimliche Begegnungen mit sich selbst braucht ein Meisterschütze, um das Töten und Essen von Tieren aufzugeben und ein spirituelles Leben zu beginnen.

Eine verstörende Begegnung

An den Hängen des Vikrama in den Mantra-Bergen lebte einmal ein Jäger mit Namen Shavaripa. Er war berühmt für seine große Treffsicherheit, doch sein Karma war verflucht; denn ein Jäger tötet, um zu überleben, und er lebt, um zu töten, und in diesem Kreislauf kann er immer nur als Jäger wiedergeboren werden.

Als der Bodhisattva Avalokiteshvara dies erkannte, wurde er von großem Mitgefühl erfüllt und entschloss sich zu ei nem erleuchteten Handeln. So kam es, dass Shavaripa eines Tages auf der Jagd einem Fremden begegnete, der genauso aussah wie er selbst.

„Wer bist du?“, fragte Shavaripa, einigermaßen aus der Fassung gebracht.
„Ich bin ein Jäger wie du“, antwortete der Fremde mit ruhiger Stimme.
„Und wie heißt du?“
„Shavaripa.“
„Wie kann das sein?“ rief der „echte“ Shavaripa erstaunt aus. „Woher kommst du denn?“
„Oh, ich komme von weit her“, antwortete der Fremde ausweichend. „Wie viele Tiere kannst du mit einem Bogenschuss töten?
“Da erwachte Shavaripas Drang nach Selbst bestätigung, denn sein Stolz auf seine Geschicklichkeit mit Pfeil und Bogen war groß:
„Mit jedem Pfeil ein Tier!“, prahlte er.
„Dann bist du kein Jäger“, erklärte der Fremde.

Heilsame Zweifel

„Kannst du denn mehr als eine Gazelle mit einem einzi gen Pfeil erlegen?“, erkundigte Shavaripa sich.

Der Fremde zeichnete ein Blumen-Mandala auf den Boden, der daraufhin durchsichtig wurde: Der Jäger blickte in die Hölle und sah darin ein merkwürdig bekanntes gepeinigtes Wesen...

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