Die Kultur der Zukunft ein evolutionäres Paradoxon

Die Kultur der Zukunft ein evolutionäres Paradoxon

Integrale Impulse von der Herbstakademie Frankfurt

In Momenten der Krise wird Spiritualität allzu gerne als Ausweg aus den Dilemmata der materialistischen Welt gepriesen, als positive Korrektivkraft in Zeiten der Konfusion. Die Herbstakademie Frankfurt eruierte, welche Impulse für eine Kultur der Zukunft zentral sind, die den Verwerfungen der Postmoderne konstruktiv begegnen kann.

Nicht zuletzt dem Vordenker Ken Wilber, der mit seiner integralen Landkarte ein neues Orientierungsschema für das Dickicht spirituellen Denkens und Wirkens entworfen hat, verdanken wir die Einsicht, dass Spiritualität kein Allheilmittel an sich ist, sondern lediglich eine Kraft von vielen, die im komplexen Kosmos zwischen Subjektivität und Objektivität, zwischen Ich und Wir, zwischen gesellschaftlichen Strukturen und individuellem Handeln wirkt. Zentral ist allerdings der übergreifende Impuls, der von ihr im Hinblick auf die Entwicklung des Bewusstseins ausgeht – hin zu einem höheren Verständnis von Einheit, aber auch von Vielfalt.

ÜBERGREIFENDE IMPULSE

Der Bezug auf dieses große Ganze hat vor vier Jahren zur Formierung eines „Projekts“ geführt, das dem Bestreben folgt, diese evolutionäre Dynamik zu bündeln. Vertreter der integralen Bewegung, der EnlightenNext-Initiative von Andrew Cohen und der Anthroposophie haben mit der Herbstakademie Frankfurt, die 2009 zum vierten Mal stattfand, ein Forum geschaffen, das die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten der spirituellen Richtungen transzendiert, um deren inhärente evolutionäre Kraft zu kanalisieren und in der Welt zu wirken.

„Spiritualität ist nicht allein eine Frage der persönlichen, inneren Entwicklung. So hat Rudolf Steiner für die Anthroposophie einen expliziten Kulturauftrag formuliert und Kultur als ein Feld betrachtet, auf das sich die Bewusstwerdung der Bewusstheit richtet“, so Dr. Jens Heisterkamp, Chefredakteur des anthroposophischen Magazins info3. Diesen Kulturauftrag zu erforschen und zu formulieren, machte sich die Herbstakademie 2009 zum Ziel, indem sie der Frage nachging, wie eine Kultur der Zukunft jenseits von Tradition, Moderne und Postmoderne aussehen kann.

In der Gegenwartskultur des Individualismus wird es zur Aufgabe, die absolute Dimension, die das Ich radikal übersteigt, unter postmodernen Vorzeichen neu zu entdecken.

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