Als der Physiker Fritjof Capra in seinem Buch „Der kosmische Reigen“ darauf hinwies, dass zwischen moderner Physik und Mystik auffallende Parallelen bestünden, traf er einen Nerv der Zeit. Innerhalb weniger Jahre avancierte dieses Buch, 1984 mit der 4. Auflage umbenannt in Das Tao der Physik, zum Standardwerk der New Age-Bewegung.
Doch während sich Nicht-Physiker durch dieses Werk in ihrem Interesse für Mystik bestätigt fühlten, nahmen Physiker, wie Capra selbst berichtet, seine Untersuchungen eher mit leicht amüsiertem Interesse zur Kenntnis. [1] Und das ist bis heute so geblieben. Die von Capra aufgedeckten Parallelen zwischen moderner Physik und Mystik haben keineswegs, wie erwartet, zu einer »Neuen Physik« geführt. Doch was ist der Grund hierfür? Mit eben dieser Frage setzt sich der vorliegende Artikel auseinander.
Einer der entscheidendsten Gründe ist zweifellos die oft unklare und unpräzise Gestalt der Mystik. So sehr man von der Existenz eines unsichtbaren Grundes der Welt auch überzeugt sein mag, Fakt ist: Alles, was uns die Mystik über diesen Grund und seine Beziehung zum physikalischen Universum wissen lässt, muss auf einen wissenschaftlich geschulten Geist zwangsläufig abstrus und obskur erscheinen. Als der Physiker John Taylor gefragt wurde, ob die Einsichten der Mystik für die moderne Physik von Bedeutung seien, antwortete er:
„Nein, ganz und gar nicht. Über diese Entwicklungen bin ich eher entsetzt. Ich sehe in dem ... Mystizismus eine Menge verquastes und wirres Gedankengut... Die detaillierte Genauigkeit der modernen theoretischen Physik übertrifft alles, was in der … Mystik von Dauer ist. Wenn diese mystischen Ideen [jedoch] einen Zugang zur modernen Physik bedeuten, dann können sie nützlich sein. Aber nur als Stufe zu einer größeren Genauigkeit in der Sache.“ [2]
Wenn wir Mystik wirklich ernst nehmen, dann erschließt sie uns ungeahnte Einsichten in das Wesen des physikalischen Universums.
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