Die christliche Mystikerin Teresa von Avila lebte von 1515-1582 in Spanien. Sie gehörte dem Karmeliterorden an und ging einen langen Weg der inneren Erfahrung, bis sie im Alter von 59 Jahren in den Zustand der Unio mystica, der dauerhaften Erfahrung der Einheit mit dem Göttlichen, eintrat. Teresa hatte eine außergewöhnliche Begabung, ihre inneren Erfahrungen anschaulich und psychologisch sehr genau und einfühlsam zu beschreiben und andere auf dem Weg zu begleiten. In ihrem letzten Werk „Die innere Burg“ gibt sie eine systematische Darstellung der Phasen, durch die sie in ihrer eigenen Entwicklung gegangen ist.
„Ich möchte unsere Seele als eine Burg betrachten, die ganz aus einem Diamant oder einem sehr klaren Kristall besteht und in der es viele Gemächer gibt, gleichwie im Himmel viele Wohnungen sind.“
Mit diesem Bild beginnt Teresa ihr Buch. Es dient ihr als Fundament, um den Weg der Seele zu Gott zu beschreiben. Denn wie ein König im innersten Palast seiner Burg, so wohnt Gott im Innersten der menschlichen Seele und wie ein Bräutigam sich mit seiner Braut vereinen möchte, so möchte Gott sich mit der Seele vereinen.
Doch der Mensch weiß nichts von diesem großen Reichtum in seinem Inneren. Er treibt sich außerhalb der Burg herum und kennt sich selber nicht. Erst wenn er bereit ist, sich nach innen zu wenden, beginnt der Weg. Teresa führt ihre LeserInnen auf diesem Weg durch sieben Wohnungen, wobei jede Wohnung für eine bestimmte Phase steht. In ihrer Beschreibung verbindet Teresa mehrere Perspektiven: Sie gibt methodische Hinweise, wie man in die jeweilige Wohnung durch die Übung des inneren Betens gelangt, sie beschreibt, welche körperlichen, geistigen und psychischen Phänomene in den verschiedenen Phasen auftreten können, und sie zeigt, wie sich die Verinnerlichung einer neuen Phase am konkreten, alltäglichen Handeln erkennen lässt. Vor allem jedoch begeistert und motiviert sie ihre Leser immer wieder durch ihr eigenes Beispiel, diesem Weg mit Mut, Hingabe und Humor zu folgen.
„Ich möchte unsere Seele als eine Burg betrachten, die ganz aus einem Diamant oder einem sehr klaren Kristall besteht und in der es viele Gemächer gibt, gleichwie im Himmel viele Wohnungen sind.“ Teresa von Avila
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