Rumi und Mechthild sind Liebende Gottes. Sie sind erfüllt von einer verzehrenden Leidenschaft, die den Kreis des Menschlichen übersteigt und sie über sich selbst und die Welt hinausträgt in die Wirklichkeit Gottes. Besser müsste man sagen: die sie durch die Welt hindurch trägt in Gottes Liebe. Denn ihrer beider Seelen sind empfänglich für die Begegnung mit Gott in der Welt. Welt und Gott sind für sie nicht zu trennen. Überall gewahren sie die Gegenwart des Geliebten – und machen dabei die Erfahrung, dass er es ist, der die Leidenschaft in ihnen entfacht, weil er die Liebe selbst ist: die Liebe, die Wahrheit des Lebens, das göttliche Leben, der lebendige Gott.
Die Liebe packt uns alle beim Genick Und schleppt uns Zappelnde zu Gott. (Rumi)
Am Ende ist ihnen alles EINS. Und dieses EINE ist es, das ihre Herzen ergreift und entfacht. Das EINE ist es, dem Rumi die Worte in den Mund legt: „Ich bin Wind, und Du bist Feuer, und ich habe Dich entfacht“ (Diwan, 1586). Rumi erlebt sich als eine lodernde Liebesflamme: „Ich brannte, ich verbrannte, ich verbrannte…“ (Diwan, 1768). Genauso weiß auch Mechthild von ihrer Seele: „Je mehr sie brennt, umso schöner leuchtet sie. Je mehr sie sich verzehrt, umso mehr hat sie. Je heißer sie bleibt, umso rascher schlägt sie Funken“ (Das fließende Licht der ...
Das Interview führte Inge Hasswani
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