ERFÜLLTES LEBEN AUS DEM URGRUND

ERFÜLLTES LEBEN AUS DEM URGRUND

Erleuchtung und die Lehre der Leere – Weg-Weisung einer deutschen Zen-Meisterin

In ihrer Doppelfunktion als Psychotherapeutin und autorisierte Zen-Meisterin katholisch- christlicher Herkunft ist Sabine Hübner eine der wenigen Frauen im deutschsprachigen Raum, die nicht nur Heil bringend tätig sind, sondern auch überzeugend ihre Unterweisungen und geistigen Orientierungshilfen zu publizieren verstehen. In kristallener Klarheit und ohne intellektuelles Rankwerk führt Sabine Hübner ihre Schüler und Leser auf faszinierend transkonfessionelle Weise zur Wahrnehmung der letzten, unsichtbaren und urreligiösen Wirklichkeit. Mit radikaler Wahrhaftigkeit und therapeutischer Authentizität weist sie ihren Schülern einen Weg durch die verschleierten Bewusstseinsschichten zurück zur Quelle der jedem Menschen eigenen Wesensnatur, zur glückseligen Erfahrung des Angekommenseins in der Gegenwart, der ewigen Heimat im Hier und Jetzt, wo der Wahrnehmende, das Wahrnehmen und das Wahrgenommene ungeteilt und ungetrennt zusammenfallen.

Bei Sabine Hübner gibt es keinen Platz für den paranormalen Irr-Lichterzauber einer boomenden neo-magischen Esoterik- und Psychoszene, wo eine erschreckend große Laiengruppe selbst ernannter Therapie-Götter ihr Unheil treibt und viele Menschen in eine astrale Scheinwelt (ver)-führt. Der verantwortungsbewussten spirituellen Lehrerin geht es primär darum, dass man täuschende Gedanken und Gefühle erkennt und loslässt. Dabei begleitet Sabine Hübner ihre Schüler auf DEM Weg, der immer auf das eigene Herz hinweist und eine anderweitige Suche als sinnlos ausschließt. Der Religionsphilosoph und Publizist Roland Ropers sprach mit Zen-Meisterin Sabine Hübner im Zendo Nürnberg.

Zen-Meisterin Sabine Hübner im Gespräch

Roland R. Ropers: Wir wissen, dass die Wirklichkeit zwei Aspekte oder Erfahrungsweisen hat: Leerheit und Form. Wie gelangen wir zur integrativen Einheitsschau dieser zwei Aspekte?

Sabine Hübner: Das kann ein langer Weg sein. Es sollte sogar ein langer Weg sein, denn umso durchgreifender und überzeugender ist dann das Ergebnis. Tatsächlich müssen die beiden Ebenen der Wirklichkeit – die der Leerheit und die der Form – nicht erst integriert werden, denn sie sind bereits EIN EINZIGES SEIN. Es gilt, dieses zu erfahren. Das ist das Ziel der Zen-Übung und jeder ernsthaften Geistesdisziplin, die es in der Menschheit gibt.

Form ist Leere – und Leere ist Form. Zwischen diesen beiden besteht – das aber zeigt sich dem Menschen erst in der tiefen spirituellen Erfahrung – kein Unterschied. Unser menschlicher Geist bietet uns durch die Art und Weise, wie er arbeitet, die Möglichkeit, tausend verschiedene Dinge der Welt und des Lebens wahrzunehmen. Unser Geist ist es, der uns die Welt so schafft, wie wir sie wahrnehmen! Wir haben aber auch die Fähigkeit, die ewige Seite der Welt und des Lebens, nämlich die der LEERHEIT, das GÖTTLICHE NICHTS, das ABSOLUTE, das REINE SEIN zu erfahren. Entscheidend ist, beide Aspekte zugleich und ungetrennt voneinander zu erfahren. Denn sie sind keine zwei, sie sind in der Letzten Wirklichkeit immer nur die Eine Ebene, die Eine Wirklichkeit. Da gibt es kein Subjekt und kein Objekt mehr, auch kein Relatives im Gegensatz zum Absoluten und kein Heiliges im Gegensatz zum Profanen. Es liegt an unseren Augen, ich würde sagen, an unseren Augen des Geistes, an der Qualität unserer Wahrnehmungsfähigkeit, das auch zu sehen. Und hierfür ist ein Weg intensiver Geistesschulung notwendig. Auch nach der gemachten Erfahrung des EINSSEINS üben wir weiter, um die Erleuchtungserfahrung in die Gesamtpersönlichkeit des Menschen und in sein gesamtes tägliches Leben zu integrieren und so gründlich ausreifen zu lassen.

„Wer das irdische Dasein zurückweist, ist kein Erleuchteter“

Subtile Formen des Gefangenseins

Viele Menschen hängen sich so sehr an den äußeren Dingen des Lebens fest, dass sie niemals innehalten, um aus ihrem selbst gebastelten Gefängnis auszusteigen. Sie verstricken sich auf der äußeren Ebene ihrer selbst und der zehntausend Dinge der Welt, des Materiellen. Sie verlieren sich auf der Ebene der Form. Warum? Sie möchten – irrtümlich – ihr Gefängnis noch angenehmer als bisher gestalten. Sie machen ihre Handschellen und Zwangsjacken, die ihnen so vertraut sind, dass sie glauben: „So ist das Leben nun mal“, komfortabler. Sie wünschen sich „Plüsch-Handschellen“. Sie haben ihr EWIGES WESEN, das sie doch selber sind, vergessen und jagen ihren selbst gemachten karmischen Verstrickungen nach, die aus ihren ursächlichen eigenen Handlungen entstehen. Karma ist die Lehre von Ursache und Wirkung. So jammern sie leidend über ihre Miseren, die – mit unbewusster Absicht – doch nur selbst gemacht sind.

Es gibt auf der anderen Seite aber auch Menschen, die wie unter einer großen Sehnsucht, wie unter einem Zwang, dazu neigen, die Welt zu fliehen, um sich auf der Ebene der Leerheit, des Nichts, zu verlieren. Diese Leerheit übt auf manche eine große Verlockung und einen starken Sog aus. Auch dieses ist ein Gefangensein des Menschen auf nur einer der beiden Wahrnehmungsebenen, diesmal auf der Ebene der Leerheit. Die Erfahrung dieser Leerheit ist zwar sehr wichtig und unerlässlich, um eine echte Erleuchtungserfahrung zu erreichen. Sich aber in ihr zu verlieren und nicht mehr zurückkehren zu wollen, schafft einen Verrückten und nicht einen Erleuchteten. Bei spirituell suchenden und gutgläubigen, aber von vornherein psychisch labilen Menschen entstehen unter der Führung von falschen oder unfähigen Meistern und Gurus tatsächlich Jahr für Jahr unendlich viele Verrückte.

Die meisten Menschen haben zugunsten ihres immer brillanter werdenden Intellekts im Lauf der Menschheitsentwicklung immer mehr auf die Erfahrung des EINSSEINS mit allen Wesen und unser aller Urgrund verzichtet. Trotzdem existiert das Einssein aller Lebewesen, ob sie es merken oder nicht, und so ist es auch möglich, mit Hilfe einer sorgfältigen Geistesschulung beide Ebenen wieder als dieses unaussprechlich EINE, das unser aller wahre und grundlegende Identität ist, zu erfahren und aus dieser Erfahrung heraus zu leben, ohne jedoch auf unsere Individuation, die wir doch wunderbarerweise erreicht haben, zu verzichten.

Dafür gilt unbedingt: Klammere dich an keine der beiden Ebenen! Verliere dich auf keiner! Jage nicht den Dingen der Erscheinungswelt nach, die nichts als wahnhafte karmische Verstrickungen sind – ertrinke aber auch nicht in der Leerheit! Das hieße, wie wir im Zen sagen, auf der Spitze einer Nadel festzusitzen, nicht vor und nicht zurück zu können. Der Zustand ist übel und nicht gerade erleuchtet! An ihm ist nichts Erstrebenswertes. An der Leerheit zu kleben, ist nicht gerade verehrungswürdig.

Ohne Kampf und Krampf vorwärts kommen

Spirituelle Entwicklung lässt sich nicht willensmäßig bewirken, schon gar nicht mit Gewalt und Zwang. Es gibt hier nichts auf aktive und erwartungsvolle Weise zu erreichen. So viele „spirituelle“ Leute und „Esoteriker“ befinden sich lediglich auf einem Ego-Trip.

Aber auch das Erkämpfen von Karriere und Geld kann leicht mit dem Wesentlichen verwechselt werden. Auch das ist ein – noch weiter verbreiteter – Ego-Trip. Manche nennen das Streben nach materiellem Erfolg „Selbstverwirklichung“, obwohl materieller Erfolg nichts mit dem Wahren Selbst zu schaffen hat, und man könnte wohl eher „Ego-Verwirklichung“ dazu sagen. Aber auch das Gegenteil davon, das Sich-Klammern an die völlige Armut, die in dem Fall vermeintlich „heilige Armut“, ist nur wieder das Festhalten an einer Idee, einem Konzept und ein vermeintliches Rezept zur Heiligkeit.

Jedes Sich-Festbeißen woran auch immer, und sei es noch so hehr und edel in unseren Augen, ist eine Fesselung und damit große Unfreiheit. So können wir uns sogar unfrei machen, indem wir uns an Gott, an die Buddha-Natur oder an die große Liebe klammern, indem wir doch tatsächlich glauben, das hätte mit Gott, mit der Buddha-Natur oder mit der großen Liebe zu tun. Wie weit entfernt wir damit jedoch von dem, was wir ersehnen, wären! Wie bedauernswert wir damit wären!

Ja, die Wirklichkeit lässt sich entdecken, ganz unverhofft in einem wunderbaren Augenblick, wenn wir nur von Augenblick zu Augenblick wach und achtsam sind. Hierzu bereitet uns der Weg unserer Zen-Übung vor.

Nirwana mitten im Leben

RRR: Wie erkennen wir, dass Leerheit und Form das Eine und Einzige sind? Warum ist das Nirvana nicht jenseitig, warum der ganze Himmel hier auf Erden?

SH: Das „Diesseits“ und das „Jenseits“ sind nicht prinzipiell etwas Anderes. Sie sind nur leicht unterschiedliche Daseinsweisen, die sich aus der Qualität unserer Wahrnehmung ergeben, ganz gleich, ob das „vor“ oder „nach“ unserem Tod geschieht. Nirgendwo ist der ganze Himmel nicht! Wir können ihn sogar in den tiefsten höllischen Bereichen finden! Und so ist es durchaus heilsam, alle Lebensbereiche zu kultivieren und die vielen Schichten des Bewusstseins zu entwickeln. Wie schon gesagt, benötigt dieser Entwicklungsprozess Jahre intensiver Schulung unter einem seriösen und fähigen Lehrer. Zwar wird uns die Erfahrung des totalen EINSSEINS von Leerheit und Form mit den zehntausend Dingen der Welt und unserer selbst – und dieses erst ist Nirvana mitten im Leben, im Alltag, in unserer Arbeit – offenbar, denn Himmel und Erde sind ununterschieden EINS. Wenn wir ohne Scheuklappen wahrnehmen, wahr-nehmen, können wir nichts anderes als die Wirklichkeit wahrnehmen, so wie sie ist.

Hielten wir illusorisch die Unwahrheit für wahr, wäre es eine Unwahr-nehmung und keine Wahr-nehmung. Hier sprechen wir aber von der Wahrnehmung des Nirvana. Das Nirvana – und zwar das „dynamische Nirvana“ im Gegensatz zum „statischen Nirvana“ – ist der höchste zu erreichende menschliche Zustand auf Erden. Hier gibt es keinerlei Täuschung und Wahnhaftigkeit mehr. In diesem Zustand existiert für den Menschen keine Maya mehr, keine Illusion!

Die höchste Stufe eines Erleuchteten ist der Arahat. Ein „theologischer“ Irrtum ist es, dass der Arahat mit dem Zustand des Nirvana in seinem ganzen Sein „verlöschen“ würde. Diese Auffassung ist eher eine westliche Unterstellung der authentischen Lehre des Buddha gegenüber. Nirvana ist kein nihilistisches Nichts, ebenso wenig wie auch das schon öfter genannte Göttliche Nichts ein nihilistischer Seinszustand oder Zustand der dann nicht existenten Welt wäre.

Um auf Erden leben zu können, „spielt“ der Erleuchtete mitten im Nirvana vielerlei Rollen, die seinen sozialen Rollen unter den Menschen entsprechen, etwa Staatsbürger, Nachbar, Vater, Kind, Lehrerin – und genießt das Diesen-Rollen-nicht-Verhaftetsein äußerst heiter und in Freiheit. Er durchschaut, dass unser menschliches „Ich“ sich die Welt bastelt – dies auch in Übereinstimmung mit den vielen anderen „Ichs“ – und mit dem Gebastelten spielt, als wäre dies die größte und womöglich tragische Wichtigkeit in der Weltgeschichte. Das Leben ist ihm, dem Erleuchteten, jedoch leicht geworden. Aus allen Dingen leuchtet ihm der Himmel, strahlt ihm Göttliches SEIN.

Das Leben wird immer gelassener, immer ruhiger

Entscheidendes ist jedoch einzuwenden – ich kann es nur wiederholen – gegen das Verhaftetsein woran auch immer und gegen die Verwechslung der eher äußeren Dinge, die uns vielleicht heilig und wunderbar erscheinen, mit dem Wesentlichen, mit dem Unendlichen, mit Gott. Wenn ich hier „Gott“ sage, meine ich nicht so etwas Nettes wie den „lieben Gott“ der braven Menschen, sondern hier geht es um „das ABSOLUTE“. An Vorstellungen von etwas Abhängigem, Relativem und Bedingtem festzuhalten, aber auch an Gott oder Buddha festzuhalten, ist ein Hindernis auf dem Weg des Erwachens zum Unbedingten, zum Einssein mit dem Einen.

Meister Eckhart, der zeitlose Mystiker, hat dieses vor Jahrhunderten immer wieder äußerst klar und deutlich ausgesprochen. Es genügt, die Wirklichkeit tief zu durchschauen und so zu verstehen, was ist: Alle Dinge sind Ausdrucksform Göttlichen Lebens. Es genügt, die aktuelle Situation als gerade aktuell anzunehmen, diese Tatsache anzuerkennen, aber dann wieder loszulassen. Auch das Unvermeidliche sollte man mit offenen Händen annehmen, und wenn es soweit ist, dass es wieder geht, mit offenen Händen loslassen. Mit zunehmender Übung dessen werden wir immer gelassener und ruhiger. Wir nehmen viele Dinge mit Humor.

Die völlige Leerheit aller Dinge im Universum ist nur ohne dualistische Vorstellung erfahrbar. Wer jedoch zwischen Form und Leere eine Trennung vollzieht, erfährt noch nicht das EINE. Der wahre Frieden zeigt sich, wenn der hirngemachte, ich-gemachte Gegensatz zwischen Form und Leere aufgehoben ist. Diesen Geisteszustand drückt das Bild einer Mandorla aus. Zwei Kreise überschneiden einander teilweise. In der Überdeckung der beiden wird Christus dargestellt – im Osten der Welt Buddha. Dies ist der Erleuchtete. Für ihn gilt die Erfahrung von Form und Leere als die Erfahrung EIN und DESSELBEN. Die Theologie nennt den Christus daher wahren Gott und wahren Menschen. Das gilt für uns alle. Nur: erfahren sollten wir diese Tatsache – und nicht nur glauben.

Weltflucht – ein Irrweg

Einige Menschen, die Erleuchtung erfahren und die Süße der tiefen Stille gekostet haben, geraten in Versuchung, immer tiefer in diese Stille und schließlich Leere eindringen zu wollen. Noch einmal die Warnung, die nicht oft genug ausgesprochen werden kann: Dieser Gefahr der Weltflucht und Flucht nach einem inneren „Mutterleib“, wo alles gemütlich und ohne Forderung nach Verantwortung empfunden wird, sind besonders diejenigen ausgesetzt, die ein schweres Leben geführt haben und die vielleicht daher von der Welt nichts mehr wissen wollen. Sie meinen, all ihren psychischen Stress und auch die Mühsal des Alltags hinter sich zurücklassen zu können, indem sie einfach in diesen Mutterschoß der Leerheit flüchten und dort die schnöde Welt vergessen können, die ihnen so übel mitgespielt hat. Sie möchten sich in einem vermeintlichen Nirvana aufhalten, das jedoch absolut keines ist.

Im Westen wird manchmal das Nirvana, wie gesagt, mit einem totalen Verlöschen verwechselt. Welch ein Missverständnis! Diese krankhafte Sehnsucht einiger psychisch schwacher Menschen nach einem Verlöschen der eigenen menschlichen Persönlichkeit ist einer Todessehnsucht ähnlich, auch einer Sehnsucht nach Suizid, und hat nicht im Entferntesten mit Nirvana zu tun, das doch die Fülle der Bewusstheit bedeutet. Aber das Dasein zu erfahren, das mit jener Süße des GÖTTLICHEN NICHTS durchtränkt ist, weil dieses NICHTS seine ewige Ursubstanz ist, lässt Leid und Qual sich auflösen wie der Nebel in der Morgensonne. So möchte ich immer wieder dringend davor warnen, auf dem Pfad des Erwachens unser irdisches Dasein zu verachten, die Welt zu fliehen und zu leugnen!

Wer das irdische Dasein zurückweist, ist kein Erleuchteter. Bis zum vollständigen Erwachen kann der Weg für einen Menschen sehr lang sein, und unterwegs zur vollen Erkenntnis kann es geschehen, dass wir erst einmal gemütlich – wie gefährlich! – in der Leerheit versinken wollen, untertauchen wie im warmen Wasser. Da könnte so manch ein wunderlicher „Heiliger“ ein vor der Welt Flüchtender werden, der gar die Existenz der Welt leugnet, das Leben leugnet, es zurückweist und dann als logische Konsequenz bitter zu leiden hat unter der Tatsache, dass alle geleugneten Gegebenheiten des Daseins ihm besonders heftig ins Bewusstsein dringen und es ihm schwer machen. Dann ist er womöglich beleidigt, dass die angeblich nicht existierende Welt ihn, den „Heiligen“ und „Erleuchteten“, so gar nicht respektiert! Er verdrängt nicht nur einen Teil seines Lebens in den schwarzen Keller seines unbewussten Erinnerungsspeichers hinab, sondern er schiebt sein Leben komplett von sich. Er versucht, ein Zombie zu werden – und hält diesen Zustand für spirituell. Wie furchtbar!

Das Eine zeigt sich in verschiedener Form

Das EINE und EINZIGE zeigt sich immerfort und ohne Ausnahme. Es zeigt sich leer – und zehntausendfach ausgeformt! Es gibt keine Ausnahme. Das EINE ist die LEERHEIT, in welcher Form auch immer sie erscheint. Wenn wir sie allerdings verzweifelt suchen, ihr folgen, indem wir die Welt fliehen, dann jagen wir nur wieder einer Fiktion des unruhigen Menschengeistes nach, einem Hirngespinst. Viele Menschen jagen dem WESEN, jagen Gott nach wie einem Objekt. Sie machen einen Götzen aus ihm. Und je heftiger sie jagen, desto mehr rennen sie in die Irre. Ich nenne das Götzendienst.

Gott – das EINE, das nichts Zweites neben sich hat, ist nirgendwo zu suchen. ES ist immer schon da. Es genügt, einfach nur zu sein, um IHM zu begegnen. Dann zeigt sich das SEIN harmonisch und von selbst. Ohne dies jedoch erkennen wir weder die Existenz der Welt der zehntausend Dinge, so, wie sie ist, noch die völlige Leerheit. Hier, in den irdischen Dingen, mit denen wir zu tun haben, liegt der ganze Himmel, das vollständige Sein! Es zu sehen, wahr zu sehen, ist die vollkommene Wahr- Nehmung!

Im zweiten Teil des Gesprächs, den Sie in der April/Mai-Ausgabe von VISIONEN lesen können, spricht Zen-Meisterin Sabine Hübner über Kriterien der vollständigen Erleuchtung.

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