Eine Festung aus Licht

Eine Festung aus Licht

Schutz und Schirm für die Seele

Das innere Licht, das wir in der Meditation erfahren, schenkt uns nicht nur Freude, sondern hat auch wichtige Schutzfunktionen für unsere Seele: es hält schädliche Einflüsse von uns fern und macht uns stark und furchtlos. Dank seiner Macht fühlen wir uns „sicher wie in Abrahams Schoß“.

Die Wirkungen des inneren Lichts

Göttlichkeit oder Spiritualität verwirklicht sich zu einem wesentlichen Teil durch das göttliche Licht. Im Rig Veda heißt es dazu sinngemäß: „Das reinigende Licht Gottes bringt Freude. Es geleitet uns nach Hause und behütet uns durch seine ewige schützende Macht.“

Das göttliche Licht ist also eine Offenbarung Gottes. Sobald sich Gott in irgendeiner Form offenbart, setzt sogleich deren besondere Wirkung ein. Was bedeutet dies im Hinblick auf das göttliche Licht? Was tut es für uns? Erstens entfaltet es eine reinigende Wirkung, indem es weltliche Eindrücke von unserer Seele wäscht. Zweitens bringt es uns Freude und innere Zufriedenheit. Drittens führt es uns zurück zu Gott, der unsere ursprüngliche Heimat ist, wo wir für immer in Sicherheit sind. Und viertens beschützt es uns schon während dieses Lebens.

Diese schützende Macht des göttlichen Lichts ist ewig. Das heißt, seine Wirkung besteht schon seit der Erschaffung des Universums und ist nicht dem Wandel der Zeiten unterworfen. Und wie übt das Licht diese Schutzfunktion aus? Es legt sich wie eine schützende Hülle um unsere Seele und beschirmt sie so von allen Seiten, damit wir von äußeren Ein drücken unberührt bleiben und von den üblen Handlungen, die fortwährend um uns her geschehen, nicht beeinflusst oder geschädigt werden.

“Ein’ feste Burg ist unser Gott“...

Dazu gibt es ein Beispiel aus der indischen Geschichte. Ein König hatte ein starkes Verlangen, Gott in sich zu erkennen. Darum beschloss er, seine Königswürde aufzugeben, sein Reich zu verlassen und das Leben eines Entsagenden anzunehmen, um sich nur noch dem Dienst an Gott zu widmen. Da er unverheiratet war, unterstand er noch der Obhut seiner Mutter und musste sie um ihre Erlaubnis bitten. Seine Mutter konnte dieses Ansinnen nur mit großer Mühe akzeptieren.

Wer das Leben eines Entsagenden annimmt, muss sich verschiedenen Ritualen unterziehen. Dazu gehört, dass er seine gewöhnliche Kleidung gegen orangefarbene Gewänder eintauschen und sich seine Mahlzeiten und sei nen Lebensunterhalt von gottesfürchtigen Leuten erbitten muss. Damit muss er in seinem eigenen Haus beginnen, indem er den liebsten, ihm am nächsten stehen den Menschen um eine milde Gabe bittet. Auf diese Weise soll seine Familie sehen, dass er nun nicht mehr zu ihr gehört, sondern das Leben eines Entsagenden führt, der nicht mehr an die Güter dieser Welt gebunden ist.

Der König sprach also wie ein Bettler am Portal des Palastes vor. Als seine Mutter ihn so vor sich stehen sah, war sie schmerzlich berührt. Doch sie tröstete sich mit dem Gedanken, dass er schließlich ein Heiliger werden würde, und sprach zu ihm: „Ich möchte dir an diesem Tag nur drei Ratschläge mit auf den Weg geben, die du dein Leben lang beherzigen sollst: 1. Lebe allezeit in einer starken Festung. 2. Nimm immer nur das schmackhafteste Essen zu dir. 3. Schlafe stets in einem weichen

Das innere Licht ist für uns ein großer Segen, denn es eilt uns in allen schwierigen Lebenslagen zu Hilfe.

und bequemen Bett.“ Der Sohn widersprach: „Aber Mutter, wie soll ich das machen? Ich bin kein König mehr, sondern nur noch ein Bettler, der keines dieser Dinge mehr besitzt.“

Da erklärte sie ihm: „Oh, du hast mich missverstanden. Wenn ich sage, du sollst stets in einer Festung leben, meine ich, dass du allezeit unter dem Schutz Gottes leben sollst. Dann bist du genauso sicher wie in einer Festung. Und wenn du nur dann etwas zu dir nimmst, wenn du großen Hunger hast, wird dir alles, was du isst, köstlich munden. Und wenn du immer hart arbeitest, wirst du beim Schlafengehen so müde sein, dass du keinerlei Unbequemlichkeit mehr spürst, auch wenn du kein Bett hast, sondern irgendwo auf der Straße übernachtest.“ Da dankte der Sohn seiner Mutter und versprach: „Ich tue mein Bestes, um dir zu gehorchen.“

Ein perfekter Sicherheitsdienst

Die göttliche Festung, von der die Königinmutter sprach, ist nichts anderes als die ewige schützende Macht des göttlichen Lichts.

Wie dieser Schutz im Einzelnen aussehen kann, zeigt das folgende historische Beispiel. Der Heilige Tulsi Das war ein ergebener Schüler von Lord Rama. Er lebte in einem Tempel, wo er sich dem Gottesdienst widmete und die Lebensgeschichte Lord Ramas niederschrieb. Seine Nachtruhe verbrachte er immer in einem Nebenraum des Tempels. Von Geldspenden, die ihm die Gläubigen gegeben hatten, hatte er einige Gold- und Silberutensilien für sei nen Gottesdienst erworben.

Eines Nachts drangen zwei Diebe ein, um die Wertsachen zu stehlen. Doch als sie alles zusammengerafft hatten und das Weite suchen wollten, mussten sie feststellen, dass das Tor, durch das sie entwischen wollten, von zwei Männern bewacht war. Die Tempel in meiner Heimat haben immer vier Eingänge; darum liefen die Diebe schnell zum nächsten. Aber auch dort standen zwei Wächter. Durch welches Tor sie auch fliehen wollten, immer standen schon die beiden Männer da. Unter diesen Umständen hielten sie es für besser, sich bis zum Morgen im Tempel inneren zu verstecken.

Als Tulsi Das am nächsten Morgen zum Gottesdienst den Tempelraum betrat, fand er die beiden Übeltäter in ihrem Versteck. Er fragte sie: „Ihr seid doch sicher nicht zum Beten hergekommen, sondern mit der Absicht, etwas zu stehlen. Warum habt ihr euch dann hier zum Schlafen hingelegt? Ihr hättet euch doch in der Nacht leicht aus dem Staub machen können.“ Da sagten die Diebe entrüstet: „Ja, wie denn? Du hat test doch draußen deine Wachen aufgestellt! Wo immer wir auch hinaus wollten – immer standen dort zwei Männer, ein dunkelhäutiger und ein hellhäutiger, und haben sich die ganze Nacht nicht von der Stelle gerührt.“

In diesem Moment wurde Tulsi Das klar, dass es Lord Rama und dessen Bruder Lakshman gewesen waren, die in der vergangenen Nacht erschienen waren, um den Tempel zu bewachen, und er war tief gerührt. Er dachte bei sich, dass es nicht richtig von ihm sei, all diese Wertsachen zu behalten, wenn deswegen sein Meister eigens das Gebäude bewachen musste. Darum verschenkte er sie und erklärte: „Ich will sie nicht mehr haben. Sie bereiten meinem Herrn nur Unannehmlichkeiten.“

Leben ohne Angst

Dieses Beispiel zeigt deutlich, wie die Gotteskraft, die sich in Form von Licht offenbart, uns in schwierigen Lebenslagen schützend zu Hilfe eilt.

Unser Rig Veda-Vers spricht aber noch einen weiteren Vorzug des inneren Lichtes an: „Der mächtige Gott macht seine Ergebenen furchtlos.“ Wer mit der göttlichen Offenbarungsform des Lichts verbun den ist, wird also frei von Ängsten. Unsere stärkste Furcht ist die vor dem Tod. Wenn Gott uns in der Meditation über den Körper hinaushebt, erfahren wir jedoch schon zu Lebzeiten, wie es ist, zu sterben (vgl. 1 Kor 15,31); wir erleben auf beglückende Weise genau dasselbe, was sonst normalerweise gegen unseren Willen im Augenblick des Todes geschieht. Darum verlieren wir alle Furcht vor dem Tod. Auch dazu gibt es eine Geschichte.

Fürs Jenseits vorbauen

In einem Königreich gab es ein Gesetz, nach dem der König nur fünf Jahre im Amt bleiben durfte. Nach Ablauf dieser Frist wurde er festgenommen und hinaus in den Dschungel gejagt. Dann wurde ein neuer König eingesetzt, und zwar der erstbeste, der gerade am Palasttor stand, wenn der alte König aus dem Schloss geworfen wurde. Der eine, dessen Frist abgelaufen war, weinte und schrie, denn er wusste, dass er nun von den wilden Tieren aufgefressen würde. Der andere aber, der gerade eingesetzt wurde, war voller Freude, weil nun er König wurde.

Einmal sagte jemand zu dem Mann, der als nächster König eingesetzt werden sollte: „Heute freust du dich, aber in fünf Jahren wirst du dasselbe Schicksal erleiden wie dein Vorgänger.“ – „Keine Sorge,“ erwiderte der neue Herrscher, „bis dahin sind schließlich noch fünf Jahre Zeit.“ Als er König geworden war, rief er seine Höflinge zu sich und fragte: „Wer ist hier der König? Und wessen Befehle sind von allen zu befolgen?“ Und sie antworteten: „Deine Be - fehle, denn du bist der König.“ Da schickte er sein Heer in den Urwald und ließ alle wilden Tiere zu töten. Dann befahl er seinen Ingenieuren, Straßen durch den Urwald zu bauen und Gebäude zu errichten usw., und überwachte persönlich deren Konstruktion. Und binnen fünf Jahren war im Wald eine wunderschöne Stadt entstanden. Als seine Frist abgelaufen war, erklärte der König: „Heute endet meine Regierungszeit, und so ziehe ich nun um in meine neue Residenz im Wald.“

Mein Meister erklärte zu dieser Geschichte immer: „Wir sind wie dieser König. Unsere Regierungszeit ist unsere Lebensspanne. Während dieses Lebens können wir tun, was uns beliebt. Wenn wir das Rätsel des Lebens lösen und herausfinden, wo wir nach dem Tode hingehen, leiden wir zu diesem Zeitpunkt keine Furcht.“

Doch dieses Geheimnis ist nur dadurch zu lösen, dass wir mit dem inneren Licht und anderen göttlichen Offenbarungen verbunden sind. Damit ist eines unserer schwierigsten Probleme gelöst, und das ist für uns ein großer Segen.

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