Erfülltest Leben aus dem Urgrund

Erfülltest Leben aus dem Urgrund

Den Zustand ultimativer und ständiger Erleuchtung erreichen – Weg-Weisung einer deutschen Zen-Meisterin

Im ersten Teil dieses Interviews (VISIONEN Nr. 1/2006) sprach Zen-Meisterin Sabine Hübner über zentrale Aspekte des Buddha-Dharma wie Anhaftung, die Einheit von Leerheit und sichtbarer Form sowie die Allgegenwart der Wahren Wirklichkeit. In diesem zweiten Teil erklärt sie Kriterien für die Vertiefung und Integration des erleuchteten Zustands.

Im ersten Teil dieses Interviews (VISIONEN Nr. 1/2006) sprach Zen-Meisterin Sabine Hübner über zentrale Aspekte des Buddha-Dharma wie Anhaftung, die Einheit von Leerheit und sichtbarer Form sowie die Allgegenwart der Wahren Wirklichkeit. In diesem zweiten Teil erklärt sie Kriterien für die Vertiefung und Integration des erleuchteten Zustands.

Roland R. Ropers: Der deutsche Mystiker Meister Eckhart hat in seinen wesentlichen Predigten stets auf den Gottesgrund, den Urgrund allen Seins hingewiesen. Immer wieder legte er das Schwergewicht auf die Erfahrung der tiefsten inneren Quelle im Menschen. Der Benediktiner-Mönch und Mystiker Bede Griffiths hat für das 21. Jahrhundert die Erforschung des „inneren Universums“ im Menschen gefordert, weil die imaginativen Reisen in Astralwelten den Menschen in eine schizophrene Verfassung zu bringen drohen. Wohin führt uns der wahrhaftige spirituelle Weg?

Sabine Hübner: Die beiden wunderbaren Menschen haben Recht. Es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Gottesgrund, den Meister Eckhart nennt, und den Abenteuern in Astralwelten, vor denen P. Bede Griffiths mit Recht warnt. Wohin also führt uns der wahrhaftige spirituelle Weg, der als solcher bezeichnet werden kann? In die Erkenntnis des GÖTTLICHEN SEINS, der Wesensnatur, in den „Gottesgrund“ des Meister Eckhart, der doch das eigene WAHRE WESEN eines jeden Menschen ist. Der spirituelle Weg führt nicht in die Beschäftigung mit Astralwelten. Dies hat nichts mit Erleuchtung oder Selbstwesensschau zu tun! Astralwelten sind nichts als Bereiche der Welt der Form, und auch hier könnten Menschen sich verstricken, und dies passiert auch zuhauf. Schauen wir stattdessen tief nach innen in unser eigenes WAHRESWESEN hinein, in unseren URGRUND. Dort finden wir diese Quelle, aus der ständig neues Leben strömt. Ja, das ganze Universum steigt dort heraus! Dies ist auch die eigene Wurzel des Menschen. Dort erkennt er sich erst. Kehrt er dorthin zurück, von wo er auch ausgegangen ist und sogar in jedem Augenblick, also in diesem Augenblick, ausgeht, ohne es zu merken – oder doch zu merken? – kehrt er zu seiner eigenen Wurzel zurück und erfasst plötzlich, wer er ist. Dann ist ihm alles leuchtend klar, und all die vielen vermeintlichen „Wahrheiten“ haben ihre Bedeutung verloren. Nur noch dieses Eine Sein ist Wahrheit. Alles andere ist nur relativ, nur kurzfristig „wahr“, ist abhängig und vergänglich wie eine Seifenblase. Es ist nicht der URGRUND, nicht das Sein. Wenn der Mensch aber das SEIN entdeckt hat, dann kommt die große Freude: Er kann sehen, dass alles, was ihm begegnet, aus seinem URGRUND kommt. Klingt es widersprüchlich? Man probiere es aus! So entdeckt man, dass Form und Leere niemals getrennt voneinander waren. Man erfasst, dass das eigene ewige WESEN der Urheber ist und man niemals von ihm abgesondert war. Wenn dem Menschen allerdings die Wurzel, aus der er doch wächst, unbekannt ist, wenn er sie womöglich sogar leugnet und sich statt dessen an die Dinge der Welt fesselt, unbewusst und vertretungsweise sozusagen für seine eigene wahre Natur – dann verfehlt er das WESEN. Er erkennt sich dann nur in einigen seiner Ausdrucksformen und Projektionen seines Bewusstseins in der Erscheinungswelt wie in einer unsauberen Fensterscheibe. Erich Fromm nannte das ganz treffend eine „entfremdete Form der Selbsterfahrung“.

„Hier ist Gottes Grund mein Grund, und mein Grund Gottes Grund.“
-Meister Eckehart, Dt. Pred. 6

Aber auch an eine Idee von der WAHREN NATUR darf man sich nicht ketten, auch das wäre wieder nur eine Art von Götzendienst. Die meisten Menschen wissen nicht wirklich, dass sie leben und wer sie sind. Es kommt ihnen nur „irgendwie“ so vor. Jeder, der sich nur an die Außenwelt – oder auch an eine vermeintliche „Innenwelt“ – kettet und an die Dinge hängt, ohne sie lassen zu können, ohne dabei jemals innezuhalten, verfehlt das Wesentliche, das grenzenlose eigene SEIN, die eigene Unendlichkeit. Wir müssen immer wieder in unsere eigene Tiefe zurückkehren, um schließlich unsere Wurzel wieder zu finden, unsere urewige Herkunft und Richtung auf dem Weg, unser wahres Zuhause, die ewige Heimat.

Nicht auf halbem Wege stecken bleiben

Sich in die innere Leere zu versenken, ist noch nicht gleich Erleuchtung, sondern nur die „erste Hälfte“ davon, wenn auch Voraussetzung für Erleuchtung. Es gibt Zustände, in denen sich die Dinge auflösen, in denen sich die Welt auflöst. Dann gibt es keine Person mehr, die etwas wahrnimmt, und es gibt keine Wahrnehmung mehr und auch nichts Wahrgenommenes. Diese drei sind eins, und nicht dreierlei. Dabei bleibt das Bewusstsein, das der GRUND ist, erhalten. Das ist die anfänglich erfahrene Leerheit, der viele Menschen zunächst begegnen oder der sie – und nur dies ist die Gefahr! – sogar verfallen. In einigen anderen spirituellen Disziplinen hält man dieses Verfallensein schon für Erleuchtung. Zwar handelt es sich um echte spirituelle Erfahrung, aber sie ist noch nicht die vollständige Wesensschau. Der Mensch bleibt auf halbem Wege stecken.

Erst die viel deutlichere Erfahrung von Form und Leerheit zugleich als der wahrhaftig einzigen ungetrennten Ebene ist die ganze Erfahrung. Diese wirkliche, klare Einsicht in die Beschaffenheit der Welt, in das WESEN der Welt, führt weit über die Erfahrung der Nur-Leerheit hinaus. Sie gleicht im ersten Moment der Entdeckung der Wirklichkeit, so wie sie seit jeher ist, einer Verzauberung, in den ganz profanen und alltäglichen Dingen – einer Kaffeemaschine, einer Tasse, einem Frühstücksbrötchen – das Göttliche Nichts leuchten zu sehen, was gar nichts mit den physischen Sinnen oder einer Sinnestäuschung zu tun hat. Erst diese Verzauberung in das WESEN, das er durch und durch und seit Ewigkeit ist, führt den Zen-Schüler zur großen Freiheit.

Man könnte sagen, es ist eigentlich eine Rück-Zauberung, eine Ent-Zauberung, nachdem der Mensch so lange sein WAHRES WESEN, sich selbst, nicht gekannt hatte. Die qualvolle Illusion, er wäre ein von der übrigen Welt abgeschnittenes und einsames, unverstandenes Lebewesen, war die Verzauberung. Das Erwachen aus dem Wahn, die Lösung von aller Täuschung jedoch ist die Erlösung von allem Leid. Die Veränderungen seiner Persönlichkeit sind dann tiefgreifend, grundlegend und bleibend.

Manchmal sagen die Mitmenschen dann: „Wie normal und angenehm er geworden ist!“

Keine Trance, sondern kristallklare Wachheit

RRR: Wie können wir in jedem Augenblick das WAHREWESEN erfahren?

SH: Wir sind es ja selbst! Das WAHRE WESEN erfährt sich selbst. Ich behaupte, dass all die 6 Milliarden Menschen auf der Erde in jedem Augenblick ihr WAHRES WESEN erfahren, nur merken sie dies leider nicht. Die vielen Dimensionen der Welt, die wir irrtümlich zu kennen glauben, sind lediglich Projektionen unseres Ich und haben auf diese Weise in Wirklichkeit nie bestanden. Die WESENSNATUR kennt diese Ausdehnungen nicht. Die Welt sieht in ihrem Licht anders aus, als sie uns früher erschien.

Vor allem Gedankeninhalte, von denen er sich schwer lösen kann, hindern den Normalmenschen, die Welt in ihrer ursprünglichen Reinheit zu erfahren. Durch Ideen, Konzepte, Imaginationen und Erinnerungen sieht er unvollständig. Reine Wahrnehmung und tiefstes Wissen existieren außerhalb aller Gedanken und sind keinen Täuschungen mehr unterworfen.

„Aus diesem innersten Grunde sollst du all deine Werke wirken ohne Warum.“ (Meister Eckehart, Dt. Pred. 6)

Der zutreffende und makellos reine Geisteszustand in der Zen-Praxis ist eine tiefe innere Stille und eine kristallklare, helle Wachheit. Keine behagliche Trance, in der wir – eingeduselt – nichts mehr wahrnehmen, weil wir uns in einer Traumwelt verloren hätten. Was das Bewusstsein uns an Inhalten liefert, nehmen wir nicht in uns hinein, sondern wir bleiben in einem absichtslosen und passiven, gleichzeitig aber in einem sehr wachen und klaren, reinen Zustand. Irgendwann übernimmt dann der Innere Meister, unsere WESENSNATUR, die Führung. Von dem Augenblick an wird unser Üben leicht. Alle Dinge sind in ihrem Grunde die EINEWESENSNATUR. So ähnlich wie Tongefäße immer nur aus Ton gebildet sind, sind alle Dinge der Welt aus GEIST gebildet. Mit anderen Worten: Materie und Struktur, Energie und Bewegung sind Form gewordener GEIST.

Die grundlegende Gleichheit aller Phänomene

Sobald man klar und deutlich sieht, dass die ganze Welt, wohin wir auch schauen, immer nur aus demselben unstofflichen „Urstoff“, dem EINENGEIST, besteht, wie könnte uns da ein Ding besser als ein anderes erscheinen? In der WESENSNATUR ist alles gleich gut. Nichts ist besser, nichts ist schlechter. In der WESENSNATUR gibt es nichts von Wert oder Unwert. Wenn wir in unsere innere Stille gehen, klärt sich am ehesten unser Geist und sieht unverfälscht die Wirklichkeit. Welch eine überwältigend große Freiheit dies bedeutet!

Der Zustand der Erkenntnis, dass die Dinge und auch unsere Sinneswahrnehmungen nichts anderes als Ausdrucksform der Unendlichkeit und damit völlig leer sind, damit leer von eigenem und eigenständigem Sein sind, heißt, im Zustand der Erleuchtung leben. Der Ewige Urgrund aller Lebewesen und Dinge ist unterschiedslos immer nur derselbe, immer nur das EINE SOSEIN. In diesem REINEN SEIN sind keine Unterschiede und daher keine Vergleiche mehr möglich. Dieser EWIGE URGRUND hat keinen weiteren Grund, keine vorhergehende Ursache mehr. Der Mensch in dieser Erfahrung hat sein Zuhause, sein Ewiges Leben hier und gerade jetzt eben gefunden. Niemand ist auch nur einen Millimeter davon entfernt.

Im immerwährenden Zustand der Erkenntnis hiervon zu leben, entwickelt sich durch ständige geduldige Übung und Weiterentwicklung unter der Anleitung und Führung des spirituellen Lehrers. Die Geistesschulung wird viele Jahre lang diszipliniert und mit sanfter Festigkeit ausgeführt und wandelt den Menschen grundlegend, bis er den Zustand ultimativer und ständiger Erleuchtung erreicht hat. Es gibt keine Abkürzung dafür, aber – alle Mühe lohnt sich!

Die Wirklichkeit ist immer nur im Jetzt

RRR: Warum ist es so wichtig, immer den gegenwärtigen Augenblick anzunehmen?

SH: Die Wirklichkeit kann sich nur im Jetzt zeigen! Sie zeigt sich nicht vorgestern und nicht übermorgen! Alle Dinge sind vergänglich. Sie befinden sich in einem ständigen Wandel aus Vergehen, neuem Entstehen, Zunehmen, Abnehmen, wieder Vergehen, wieder Entstehen. Eines folgt aus dem Vorigen, und aus dem jetzt gerade Vergehenden folgt das jetzt gerade Kommende. Alle Dinge sind leer. Nichts hat Substanz.

Was uns als eine Welt voneinander getrennt existierender und aus materieller Substanz bestehender Dinge erscheint, sind nur energetische Abläufe. Auch die Naturwissenschaft kommt in den letzten Jahren von außen her durch Beobachtung darauf. Dinge an sich, wie wir sie wahrzunehmen glauben, sind in Wirklichkeit als statische Einheiten nicht da, sind nur Geschehnisse. Auch wir Menschen sind nur „Geschehnisse“, „Ereignisse“, „Bewegungsabläufe“, ähnlich wie die Wellen auf der Oberfläche des Meeres. Wir alle sind, verglichen mit den Wellen des Meeres, Erscheinungsformen auf der Oberfläche des unendlichen Weltmeeres „GEIST“. Wir sind Bewegungen auf der Oberfläche unserer eigenen Tiefe. In unserer Tiefe aber sind wir alle miteinander nur das unendliche GEISTMEER. Schauen wir in die eigene Tiefe, erfahren wir diese gleichzeitig als die Tiefe des ganzen Universums. Dort sind wir und das Universum nur EINS, und wir entdecken, dass wir das Universum sind.

Wozu dann noch der Kampf nur flüchtiger Erscheinungsformen gegeneinander? Im nächsten Augenblick ist alles vorbei. Warum nicht stattdessen nach innen schauen, sich und die vermeintlichen Gegner als denselben EWIGEN URGRUND, als das eigene Leben erfahren? Das ist der „Ort des Nichtdenkens“, an dem alles schon gelöst, nichts mehr ungelöst ist. Diese Schau zu erreichen und aus ihr heraus zu leben, erfordert jedoch, vor allem in den ersten Jahren der Geistesdisziplin, eine große Mühe des ganzen Menschen, bis die Übung mühelos geworden ist. Er muss seinen menschlichen Geist befrieden, bis er endlich merkt, dass der Geist an sich keinerlei Mühe benötigt.

Jeder Ort ist zugleich jeder andere Ort. Im Hebräischen heißt dieser Ort „Makom“, der „Ort Gottes“, der „Ort der Orte“, und er ist heilig im Sinn von göttlich. Dieser Ort liegt vor unseren Augen. Hier ist jeder Augenblick zugleich jeder andere Augenblick, und zwar immer nur der einzige, nämlich dieser! Und da es sich immer nur um diesen einzigen Augenblick und den einzigen Ort handelt, braucht man niemals irgendwo anders hin zu reisen oder auf irgendeine andere Zeit zu warten, um diese tiefe Wahrheit zu erfahren. Man wird umsonst reisen und vergeblich warten. Wenn man auf einer Weltreise, die man auf der Suche nach einem spirituellen Meister und nach Erleuchtung unternimmt, Glück hat, kann man von einem solchen Weisen erfahren, dass man niemals die Gegenwart des jetzigen Augenblicks und den eigenen Ort verlassen musste, um seinen Schatz zu heben. Dann kann man getrost wieder nach Hause pilgern. Denn hier in diesem Augenblick und an diesem Ort befindet sich das ganze Universum.

Erleuchtung geschieht jenseits der Gefühle

RRR: Warum hat die vollkommene Erleuchtung nichts mit menschlichen Gefühlen zu tun?

SH: Das WESEN der Welt zeigt sich in einem Augenblick. Die Erfahrung dessen ist die Erfahrung der eigenen WESENSNATUR. Das ist die Erleuchtung. Dass alle Dinge EINS sind und dass alle Dinge leer sind – und dass Raum und Zeit sich in diesem Augenblick finden und hiermit alle Dimensionen aufgehoben sind und dass dieses das eigene WAHREWESEN ist – und all das zu erfahren in dem jetzt eben gerade stattfindenden Faktum, das ist Erleuchtung. All diese eben genannten Aspekte sind nur für den denkenden Verstand verschiedene Aspekte. In der Erfahrung des Satori selbst sind sie alle dasselbe und das Gleiche. Fehlt einer dieser Aspekte, so war es kein Satori, und es war nichts Erhebliches. Darum prüfen Zen-Meister die inneren Erfahrungen der Schüler so streng. Auch auf diesem Gebiet blühen und gedeihen die Täuschungen, vor allem bei unguten Meistern und Gurus.

Gemachte Erleuchtungserfahrungen müssen in jahrelanger Arbeit erst ausreifen. Viele Menschen glauben, Erleuchtung habe mit Gefühlen zu tun. Sie beschreiben wunderbare Empfindungen oder Emotionen, sie „fühlen“ sich zum Beispiel „mit allem eins“, sie fühlen sich „erhoben“, was auch einmal in einer Drogenerfahrung passieren kann. Das ist noch lange nicht die Erleuchtung.

Wer das EINE wirklich erfährt, „fühlt“ nicht mehr so etwas wie ein Einssein. Er drückt sich auch gar nicht so aus, wenn er anschließend den Versuch unternimmt, seine Erfahrung mitzuteilen. Er ist das Einssein selber, jenseits jeden Gefühls. Das ist eine Erfahrung radikal anderer Qualität! Die Erleuchtung ist jenseits des Todeshorizonts, wo der Mensch keinen Gefühlen mehr unterworfen ist, sich jedoch in einem unbeschreiblich wundervollen Zustand befindet.

Wer im Zusammenhang mit Gefühlen oder Emotionen vom Einssein redet, hatte wahrscheinlich keinen tiefen Einblick in das WESEN selber, das alle Worte und Gefühle verstummen lässt. Viele Menschen erleben eine Ekstase. Das kann zwar sehr angenehm sein, ist aber qualitativ etwas anderes als ein Satori, als ein tiefes Erleuchtungserlebnis.

Viele Menschen, die sich aus großem Leidensdruck auf die Suche nach einem Guru begeben, erhoffen sich von ihm das Erlebnis von Ekstasen, zum Beispiel durch Berührung, auch ohne eigenes Zutun. Sie glauben, durch solche Ekstasen könne ihr Leid vergehen. Manche halten das Erlebnis sogar für ein Satori und sich selbst anschließend für „erleuchtet“. Das ist reiner Unsinn. Ekstasen und schöne Gefühle sind eben nur Erscheinungen auf der Erfahrensebene der Form und weiter nichts.

Ich habe Menschen erlebt, denen aus religiösem Überschwang die Tränen kamen, die überwältigt waren von Gefühlen der Liebe und Hingabe. Das ist sehr schön und beeindruckend, hat aber in dieser Form nichts mit Erleuchtung zu tun. Beides wird nur oft verwechselt. Überwältigende Gefühle bei der Meditation entstehen oft bei seelisch nicht ausgeglichenen Menschen, die ihre tiefste Ebene des REINEN SEINS noch nicht erreicht und auch ihre alten psychischen Schwierigkeiten noch nicht aufgearbeitet haben. Nicht einmal die tiefsten Gefühle der Liebe und Rührung erreichen auch nur entfernt die Qualität der Erleuchtung.

So sollte man niemals herrliche Gefühle und überwältigendes Wohlbefinden im Zusammenhang mit einer Erleuchtung erwarten. In absichtsloser Nicht-Erwartung, in vertrauensvoller Offenheit und Achtsamkeit auf den jetzigen Augenblick bereiten wir uns immer wieder auf das Geschenk der Erfahrung unserer WESENSNATUR, die wir im tiefsten Wesen sind, vor und setzen dabei alle unsere Kräfte ein. Dieser unglaublich hohe Zustand übersteigt in seiner Qualität allerdings jedes Gefühl und jede Emotion um Welten. Nichts kann diesen Zustand erreichen. Er ist selbst GÖTTLICHES SEIN, das den Tod überwunden hat.

Ich danke dir für diese Gelegenheit, mich mit dir über unseren Weg als Menschen in unsere Heimat, die Unendlichkeit, auszutauschen.

Das Gespräch führte Roland R. Ropers

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