Selbst wenn Sie Ihren Kindern die volle häusliche Fürsorge angedeihen lassen, die sie brauchen, machen Sie sich als Eltern vermutlich Sorgen über die weiteren äußeren Einflüsse, denen sie ausgesetzt sind oder sein könnten. So fürchten viele Eltern gerade heute in Zeiten des familiären und gesellschaftlichen Verfalls, die Kinder könnten durch „schlechten Umgang“ auf „dumme Gedanken kommen“ oder gar üble Gewohnheiten annehmen wie Drogensucht.
Doch wenn Sie erst einmal anfangen, ständig darüber nachzuden ken, wie Sie Ihr Kind vor solchen Einflüssen bewahren können, neh men diese Grübeleien nie ein Ende. Ihr Kind wurde auf Grund seiner früheren Karmas nach Gottes Willen in diese Welt und diese Gesellschaft hinein geboren wurde. In eben dieser Gesellschaft muss sich Ihr Kind einmal behaupten, ob sie nun Ihren Idealen entspricht oder nicht. Selbst wenn Sie Ihr Kind erfolgreich vor allen möglichen Einflüssen schützen, kann ein einziger Eindruck, den Sie nicht verhindern konnten, eine größere Wirkung haben als all die anderen Erfahrungen, die Sie ver meiden konnten. Sehen Sie dieser Tatsache ins Auge und machen Sie sich klar, dass es schlichtweg unmöglich ist, ein Kind so zu gängeln, dass man über alles, was ihm widerfährt, die Kontrolle behält. Eine solche Einstellung ist sogar schädlich für das Kind, da sie seine freie Entfaltung hemmt.
Der feste Glaube, dass Ihre Kinder von Gott geführt werden, nimmt Ihnen den Druck, allein für sie verantwortlich zu sein. Mit dieser Freiheit können Sie sie lieben, ohne an ihnen zu hängen.
Hier ist ein Vergleich mit der Medizin angebracht: Eine gewisse Hygiene ist zweifellos notwendig, um uns vor Krankheiten zu schützen. Übertreiben wir es jedoch damit und lassen ein Kind in einer fast keimfreien Umgebung aufwachsen, nehmen wir seinem Körper die Möglichkeit, Widerstandskraft zu entwickeln. Diese Abwehrkraft ist dem Körper vom Schöpfer mitgegeben worden und meist viel wirkungsvoller als alle Versuche, das Kind vor Ansteckung zu schützen.
Dasselbe gilt auch für den zwischenmenschlichen Bereich: Wenn ein Kind zu Hause in einer intakten Familie aufwächst, in der Vertrauen und Harmonie zwischen den Eltern herrscht, gibt ihm dies die nötige Widerstandskraft, um auch mit ungünstigen sozialen Einflüssen von außen fertig zu werden. Stellen Sie sich daher der Verantwortung, die kindliche Persönlichkeit zu Hause durch die von Ihnen geschaffene Atmosphäre so zu stärken, dass es seinen guten Charakter gegen über unvermeidlichen Fremd- Einflüssen behaupten kann.
Gleichwohl ist es natürlich richtig und wichtig, darauf zu achten, Ihre Kinder nicht ungünstigen Ein flüssen durch die Medien, wie etwa Fernsehen, Computer, Videospiele und der gleichen auszusetzen. Inzwischen ist es nicht nur in Amerika, sondern auch hierzulande weit verbreitet, dass der Fernseh-Apparat die berufstätigen Eltern ersetzt und die Kin der sich unkontrolliert stundenlang alle erdenklichen Sendungen ansehen. Dass sie dabei mit Gewalt und sexueller Freizügigkeit konfrontiert werden, die sie noch gar nicht verar beiten können und die infolgedessen tiefe Eindrücke in ihrem Ge müt hinterlassen, liegt auf der Hand.
Was aber, wenn diese Fragen bereits zu ständigen Meinungsverschieden heiten zwischen Ihnen und Ihrem Partner geführt haben? Auch dies ist ein äußerer Einfluss, der sich mit Sicherheit ungünstig auf Ihr Kind auswirkt. Mein Rat dazu lautet: Suchen Sie die Lösung für Erziehungsfragen nicht durch Überlegungen und Diskussionen auf der Verstandes-Ebene, sondern wenden Sie sich nach innen und richten Sie sich dann nach der Inspiration, die Sie von dort empfangen. Sind Sie dazu noch nicht in der Lage, kann es zum selben Ergebnis führen, wenn Sie die spirituell fundierten Richtlinien der heiligen Schriften befolgen, innere Weisung erbitten und dann auf Ihre intuitiven Eingebungen und Träume achten.
Sie sollten sich als Eltern auch nicht allzu viele Gedanken darüber machen, welche besondere Ausbildung Sie ihrem Kind ange deihen lassen sollen und wieviel Geld Sie dafür verdienen müssen. Solche Rahmenbedingungen sind für den Lebens weg eines Kindes bereits karmisch vorherbestimmt – Sie erfüllen also mit dem, was Sie Ihrem Kind bieten, ohnehin bewusst oder unbewusst nur Ihr wechselseitiges karmisches Geben und Nehmen.
Führen Sie selbst ein spirituelles Leben, erfüllen Sie in diesem Geist Ihre Elternpflicht und überlassen Sie alles Weitere Gott.
Nach spirituellem Verständnis besteht das einzig wesentliche Ziel unseres irdischen Lebens vor allem darin, auf den inneren Pfad zu Gott gelangen und sich spirituell weiterzuentwickeln. Ausbil dung, Wissen und weltliche Arbeit dienen lediglich als Mit tel dazu, um dieses übergeordnete Ziel der Selbst- und Gottverwirklichung zu erreichen, ganz im Sinne des Bibelwortes: Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden an seiner Seele nimmt? (Vgl. Mt 16,26)
Wenn der eigentliche Sinn des menschlichen Lebens aber darin be steht, den Pfad zu Gott zu vollenden, dann ist dieses Ziel ohnehin nur mit Gottes Führung zu erreichen. Liegt es nach seinem Willen bereits im Schicksal des Kindes beschlossen, sorgt er auch in diesem Punkt für jede nötige Führung. In der Frage, was Sie als Eltern tun können, um Ihr Kind auf den rechten Weg zu Gott zu bringen, ist also ebenfalls Entwarnung angesagt.
Niemand kann sein eigenes Schicksal ändern, geschweige denn das eines anderen, und wenn er sich noch so große Sorgen darum macht. Darum ist es besser, wenn Sie als Eltern dies gar nicht erst versuchen. Wenn Sie aber den festen Glauben haben, dass Ihre Kinder von Gott in jeder Hinsicht auf dem richtigen Weg geführt werden, dann nimmt Ihnen dieser Glaube den Druck, immer und überall selbst für das Wohlergehen Ihrer Kinder verantwortlich zu sein. Ihre Haltung wird dadurch wesentlich freier: Sie lie ben ihre Kinder, werden jedoch nicht übermäßig an ihnen hängen.
Nach spirituellem Verständnis besteht die größte Illusion im menschlichen Leben nämlich darin, dass man sich bei allem, was man tut und erlebt, als der Verursacher seiner Handlungen und als mehr oder weniger erfolgreicher Adressat für deren Auswirkungen betrachtet. Diese innere Einstellung nährt in einem fort das Ego und bestärkt es in dem trügerischen Selbstverständnis, ein begrenztes Wesen zu sein statt eine freie Seele. Im Laufe ihres Fortschritts auf dem inneren Pfad geben spirituell erfahrene Eltern jedoch erfahrungsgemäß allmählich diese Täuschung auf und vertrauen statt dessen immer mehr auf Gottes Hand, die in allem wirkt.
Aber wenn doch ohnehin alles durch Gott ge schieht, können Sie dann als Eltern nicht gleich ganz darauf verzichten, Ihre Kinder zu erziehen? Das ist natürlich nicht gemeint, denn Gott hat „Ihre“ Kinder als Rückwirkung aus gemeinsamen früheren Handlungen in Ihre Obhut gegeben, damit Sie nach bestem Vermögen für sie sorgen.
Gemeint ist hier vielmehr, dass Sie sich bei Ihrer Fürsorge nicht auf Ihren Verstand, auf Ihre eigenen Überlegungen und Ihr Gutdünken verlassen, sondern auf die Führung, die Sie selbst durch Ihren eigenen spirituellen Fortschritt von innen her erfahren. Je mehr Sie sich als Mutter oder Vater diese Einstellung zum Erziehungs-Grundsatz machen, desto mehr stimmt Ihr Einfluss mit der Führung Gottes überein. Es kann für ein Kind keine bessere Er ziehung geben als Eltern zu haben, die sich dabei von Gottes Führung leiten lassen.
Dieser Gesichtspunkt verweist auf ein weiteres ganz praktisches Pro blem. Wenn Sie als Eltern bestimmte Grundsätze und Verhaltensweisen an Ihre Kinder weitergeben wollen, dann beherzigen Sie an die Lebens weisheit: ein Vorbild ist besser als jede Vorschrift.
Worte allein zeigen in der Erziehung wenig Wirkung. Was Sie sagen, hinterlässt nur oberfächliche Spuren – nur was aus Ihrem Herzen kommt, hinterlässt bei Ihren Kindern einen bleibenden Eindruck. Wenn Sie als Eltern selbst ein spirituelles Leben führen und sich darum bemühen, Ih ren Idealen gemäß zu leben, brauchen Sie sich um die Erziehung ihrer Kinder keine Sorgen zu machen. Gestalten Sie Ihr eigenes Leben daher so, dass es eine positive Aus strahlung auf Ihre Kinder hat. Das lehrt sie auch ohne Worte, was Sie ihnen fürs Leben mitgeben wollen.
Machen Sie sich nicht allzu viele Sorgen um Ihr heranwachsendes Kind, sondern vertrauen Sie in allem auf Gottes Führung. 2. Erziehung muss vor allem von Ihrem eigenen Verhalten und Beispiel ausgehen. Dann werden Ihre Kinder auch auf Sie hören. Mit anderen Worten: Erfüllen Sie Ihre Pflichten als Eltern, seien Sie ein gutes Vorbild und überlassen Sie alles Weitere Gott.