Jesus, die Sufis und die Bedürfnisse der heutigen Welt

Jesus, die Sufis und die Bedürfnisse der heutigen Welt

Die Bedürfnisse der heutigen Welt spiegeln den tiefen Wunsch vieler Menschen, über die traditionellen Grenzen religiöser Gemeinschaften hinweg gemeinsam zu beten, zu meditieren und dem Wohl der Menschheit zu dienen. Ausgehend von Jesus dem Aramäer als Schlüsselfigur zu den nahöstlichen Religionen, beschreibt Neil Douglas Klotz den Beitrag des Sufi-Weges zum aktuellen interspirituellen Aufbruch.

Seit dem 11. September 2001 haben sich interreligiöse Aktivitäten überall vervielfacht. Wir müssen wohl eine Begegnung mit dem „Anderen“ riskieren, wenn wir im Geiste eines religiösen Pluralismus die Verschiedenartigkeit ehren und respektieren wollen. Unser menschliches Bedürfnis nach Verbundenheit und echten Beziehungen ist nämlich keineswegs geringer geworden durch die gegenwärtige Kultur der Individualität und der individuellen Unterschiedlichkeit (in Bezug auf Religion, Geschlecht, Farbe, sexuelle Vorliebe, ethnische und nationale Zugehörigkeit).

Wie uns die neuen Erkenntnisse der Quantenphysik gezeigt haben, ist „Individualität“ ein Ergebnis davon, wie wir die Dinge sehen, entweder in uns oder außerhalb unserer selbst. Unterschiede und Unterscheidungen werden hervorgerufen durch die Art und Weise, wie wir uns selbst unsere Geschichten erzählen.

Wir haben genau jetzt die einzigartige Gelegenheit, zu einem Gezeitenwechsel im menschlichen Bewusstsein beizutragen: indem wir zusammenkommen und – jenseits der religiösen Unterschiede und Unterscheidungen – den tiefen Frieden miteinander teilen, der in so vielen unterschiedlichen Traditionen in so vielen verschiedenen Worten benannt wird.

Gemeinsame Vision der gemeinsamen Schöpfung

Diejenigen von uns, die mit den nahöstlichen Traditionen vertraut sind – die weltweit immer wieder im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen –, könnten einen kühnen Schritt für die Menschheit tun, einen Schritt über die ethnischen, rassischen, religiösen und nationalistischen Trennungen der Vergangenheit hinaus. So haben in den vergangenen 25 Jahren weltweit Millionen von Menschen diesen interspirituellen Impuls in sich selbst und anderen gefördert, indem sie die Worte Jesu auf Aramäisch gesungen, gebetet und getanzt haben – in einem Zyklus von „Tänzen des Universellen Friedens“, der 1982 entwickelt wurde.

Sie haben die Übersetzungen der Aussprüche Jesu, die in Prayers of the Cosmos (deutsch: „Das Vaterunser“) und meinen nachfolgenden Büchern zu finden sind, aufgegriffen und angewandt als Ritual, Übergangsritus oder als Trost und Beistand in ihren Gemeinden, spirituellen Gemeinschaften, Meditationszentren, ihren Familien sowie Gruppen.

Während diese Arbeit der umfangreicher wurde, zeigte mir Jesus (der Aramäer, der die Brücke ist), wie die Schätze anderer nahöstlicher Traditionen – einschließlich der Geschichten und spirituellen Übungen, die auf Altägyptisch, Babylonisch, Hebräisch und im klassischen Arabisch überliefert sind – erfahren und tiefer verstanden werden können.

Die Kreise, die mit meiner Arbeit verbunden sind, arbeiten aktiv für folgende Ziele:

Die gemeinsamen Schöpfungsgeschichten dieser Traditionen bringen dies wunderbar zum Ausdruck: Wenn wir nach vorne schauen, brauchen wir nicht die begrenzte, Newtonsche Sichtweise von Ursache und Wirkung einzunehmen, in der die Zukunft durch einen engstirnigen Blick auf die Vergangenheit und in selektiven Berichten dessen, was „historisch“ ist, festgelegt wird. Stattdessen können wir, wenn wir nach vorne schauen, einen gemeinsamen Augenblick des Mysteriums zu Beginn des Kosmos sehen – einen Quanten-Moment vor Beginn der eigentlichen Zeit, einen Augenblick der kreativen Möglichkeit, und das ist immer jetzt.

Der Sufismus ist eine lebendige Tradition des 21. Jahr - hunderts, der man sich auf viele verschiedene Weisen nähern kann und die eine Vielzahl von praktischen Übungen bietet.

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