Seit Jahrtausenden werden in verschiedenen Kulturen Gurus und spirituelle Lehrer/ innen gesucht und gefunden, verehrt und bewundert und manchmal auch wieder enttäuscht verlassen, so wie die Beatles 1968 Maharishi Mahesh Yogi aufsuchten und sich später von ihm abwandten und dies in einem Song verarbeiteten. Einige Suchende, die ihrem Guru folgten, dann zweifelten und ihren eigenen Weg gingen, wurden selbst spirituelle Meister, die wieder Suchende anziehen, wie Michael Barnett, der sich von Bhagwan Shree Rajneesh löste und selbst Ziel spirituell Suchender geworden ist.
In den letzten Jahren scheinen im westlichen Kulturkreis spirituelle Meisterinnen und Meister wie Pilze aus dem Boden zu schießen. Einerseits ist diese Entwicklung begrüßenswert, um eine globale „Spiritualisierung“ der Welt, die viele unserer Probleme lösen könnte, voran zu treiben, andererseits gibt es immer wieder Berichte von Menschen auf dem spirituellen Weg, die sich von ihrer Meisterin/ ihrem Meister fehl geleitet, falsch beraten oder gar missbraucht fühlen; Berichte über falsche „Ratschläge“ und Anweisungen in schweren Krankheitsfällen mit fatalen Folgen; Berichte über sexuelle Übergriffe und über Menschen, die ihre Familie verlassen haben, um einem spirituellen Lehrer/in zu folgen und damit viel Leid über die Zurückgebliebenen gebracht haben.
Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich selbst hatte das Glück, auch viele großartige Meisterinnen und Meister kennen gelernt zu haben. Hier geht es nicht um Diffamierung, sondern um die Fragen, wie weit spirituell Lehrende gehen dürfen und in wie weit sie Verantwortung für die Konsequenzen ihrer Arbeit übernehmen können/ sollten. Und der Suchende muss sich fragen, in wie weit er bereit ist, bedingungslos – so wie es in der indischen und japanischen Tradition üblich ist – einer Meisterin/ einem Meister zu folgen.
„Sich einer idealisierten Person freiwillig zu unterwerfen und der Wunsch, jemanden zu gehören, der größer ist als man selbst, kann spirituell Suchende sehr anfällig für die verschiedensten Arten des Missbrauchs machen“ Dr. Alexander Berzin
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