Mit dem Herzen beten

Mit dem Herzen beten

Spirituelle Wegweisungen, meisterhaft erteilt

„Gott hört die schwachen Schreie einer Ameise schneller als das laute Trompeten eines Elefanten. Wir müssen also beim Beten keine großen Worte machen, ein aufrichtiges Sehnen im Herzen genügt.“

VORGESTELLT. Sant Kirpal Singh (1894-1974) lehrte von 1948 bis zu seinem Tod den Pfad des inneren Lichts und Klangs.

DAS NATÜRLICHE SEHNEN, Gott zu begegnen, ist jedem Menschen angeboren, obwohl die meisten Menschen ihn im Äußeren suchen. Wenn das Verlangen einer Seele stark genug und fest in ihm begründet ist, dann weiß Gott selbst darum und sorgt dafür, dass sie jemanden findet, der ihr hilft, zu ihm zu kommen – jemanden, der ihn bereits verwirklicht hat: einen Meister.

Erforscht euer Herz gründlich, um genau herauszufinden, was es wirklich will. Unsere Gebete sind ein Spiegel unserer Wünsche. Die meisten von ihnen richten sich nur auf weltliche Dinge, und dementsprechend reagiert unser Herz. Wir betrachten Gott als nützlichen Wohltäter, und solange er uns hilft, das zu erreichen, was wir wollen, glauben wir an ihn. Läuft es aber nicht so, wie wir wollen, beginnen wir, an ihm zu zweifeln.

Für Madschnu, den bekannten persischen Liebenden, bestand die ganze Welt und alle Religionen nur aus seiner geliebten Laila. Einmal sagte jemand zu ihm: „Madschnu, Gott möchte dich sehen!“ Er erwiderte: „Wenn Gott mich sehen will, muss er mir schon in Lailas Gestalt erscheinen!“ So wollen auch wir Gott nur gelten lassen, wenn er sich nach unseren Wünschen richtet. Wenn jemand wie Madschnu stirbt, erhält er dann nicht Laila anstatt Gott?

Es ist alles eine Sache des Herzens. Wenn der Ruf der Sehnsucht nach Gott sich unaufhaltsam aus einem ehrlichen Herzen Bahn bricht, dann sorgt Gott dafür, dass sich dieser Wunsch erfüllt.

ALS NÄCHSTES sollte man abwarten. Kommt das Gebet von einem aufrichtigen Kind, lässt Gott es neben sich Platz nehmen und spricht zu ihm: „Mein Kind, nun bitte, um was du willst.“ Und sobald alle irdischen Bindungen zerbrochen sind, kommt Gott, auch ohne dass man ihn eigens darum bittet. In ein Herz, das sich aufrichtig nach ihm sehnt, wird er mit Sicherheit einkehren. Selbst wenn sich euer Herz ihm nur ein bisschen zuwendet, wird er sich um euch kümmern. Aber was kann sein Kommen aufhalten, wenn ein Herz sich voll und ganz nach ihm sehnt?

Er hört die schwachen Schreie einer Ameise schneller als das laute Trompeten eines Elefanten – wir müssen also keine großen Worte machen, sondern nur ein aufrichtiges Sehnen im Herzen haben, das genügt. Er hört es. Denn er thront nicht in fernen Himmeln – er ist die Seele unserer Seele. Durch seine Gnade finden wir den Meister, der in der Lage ist, uns zu ihm zu führen, und dies ist das größte Glück, das einem Menschen zuteil werden kann.

Um einen wahren Meister zu erkennen, gibt es nur ein untrügliches Merkmal: Er vermittelt einem eine Anfangserfahrung von Gott in Form von Licht und Klang, damit man sich von seiner Kompetenz überzeugen und diese Erfahrung durch regelmäßige Meditation erweitern kann. Was er sagt, ist so schlicht, so klar verständlich und trifft den Kern der Sache so genau, dass jedes empfängliche Herz sogleich davon bewegt wird. Denn er redet von dem, was er sieht.

WIR KÖNNEN SICHER SEIN, dass jeglicher Wunsch, den wir im Herzen haben, in Erfüllung gehen wird. Warum erlangen wir die Gottverwirklichung dann nicht schon jetzt? Weil wir sie gar nicht wirklich erstreben – weil unsere Rede nicht wahrhaftig ist, und so gehen wir leer aus.

Wenn ihr an der Tür eures Hauses steht und euren Freund zu euch einladet, dann aber nicht beiseite tretet, damit er hereinkommen kann, wie könnt ihr dann erwarten, dass er zu euch kommt? Betet und wartet – Gott ist nicht taub. Er kennt das Innerste eurer Seele und sieht eure Wünsche.

Wenn sie uns aber nichts nützen und nur Unglück und Elend nach sich ziehen, wird er ihnen nicht entsprechen. Bittet ihn also lieber um das, wovon er weiß, dass es das Beste für euch ist, oder besser noch: um ihn selbst. Überlasst dann alles Weitere ihm, und euch wird in allen Dingen Erfolg beschieden sein.

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