„Nicht um religiöse Fragen zanken“

„Nicht um religiöse Fragen zanken“

Ein „visionäres“ Gespräch mit Jakob Böhme

Jakob Böhmes Botschaft ist heute, in einer Zeit intensiver religiöser Spannungen, aber auch Verständigungsbemühungen, so aktuell wie vor 400 Jahren. In einem „visionären“ Gespräch „auf höherer Ebene“ erläutert der Mystiker (1575-1642) seine damals in den Nachwehen der Reformation formulierte spirituelle Position.

Vorbemerkung: Dieser Beitrag wurde nicht gechannelt, sondern lediglich zum besseren Verständnis in Dialogform aufbereitet. Wer nur die „Antworten“ von Jakob Böhme lesen will, kann die VISIONEN- „Fragen“ einfach überspringen.

Wer zankt, und worum?

VISIONEN (V): Herr Böhme, vielen Dank für Ihr Erscheinen. Sie sagen: „Ein rechter Mensch hat mit niemandem Zank um die Religion“ –

JAKOB BÖHME (JB): „Ein rechter Mensch, der in Christi Geist neugeboren und mit Christus eins ist, hat mit nie mandem irgendwelchen Zank um die Religion.“

V: Richtig. Fast ein halbes Jahrtausend nach der Reformation ist die Christenheit gespaltener denn je. Auch mit der Ökumene geht es – trotz einiger Fortschritte – nur in kleinen Schritten voran. Es gibt also nach wie vor reichlich Zank um die christliche Religion, von den Weltreligionen ganz zu schweigen. Wenn dieser Streit aber nicht von den „rechten Menschen“ ausgeht, wer führt und schürt ihn dann?

JB: Die Christenheit in Babel (s. Infos im Printausgabe) zankt um theoretische Standpunkt: darüber, wie man Gott die nen, ehren und erkennen soll, was er nach seinem Wesen und Wil len ist; und die Theologen lehren schlicht: wer nicht in allen Punkten mit ihren Erkenntnissen und Meinungen einig ist, der ist kein Christ, sondern ein Ketzer.

Ein Christ hat keine bestimmte Glaubensrichtung. Er hat nur ein Erkenntnisziel – Christus in sich.

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