Fast immer wird Angst als etwas Unangenehmes erlebt, und meistens versuchen wir, ihr auszuweichen, ihr zu entkommen oder sie zu verdrängen. Angst wollen wir loswerden. Dabei war sie für uns immer sehr wichtig: Nur wer vor dem Säbelzahntiger und dem Bären Angst hatte, lief schnell genug weg. Daher kommt das inzwischen geflügelte Wort: Von denjenigen, die keine Angst hatten, stammen wir nicht ab.
Vieles spricht dafür, dass alles mit der Todesangst begann. Erst als der Mensch sich des Todes bewusst wurde und die Angst vor dem Tod erlebte, begann er, sich mit ihm auseinanderzusetzen und zu versuchen, ihn zu verstehen, ihn zu erklären und ihm zu entkommen. Todesangst stand also am Anfang der menschlichen Kultur und des menschlichen Denkens.
In der jüdisch-christlichen Schrift, dem „Alten Testament“, heißt es, dass der Mensch sterblich wurde, nachdem er die Frucht vom Baum der Erkenntnis gegessen hatte und aus dem Paradies vertrieben worden war. Das bedeutet: Er war aus dem Paradies der Unbewusstheit vertrieben und sich seiner Sterblichkeit bewusst geworden.
Wenn du dich in diesen dunklen, grundlosen göttlichen Grund fallen lässt, taucht Angst auf. (Nach Johannes Tauler)
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