Spirituelle „Entschlackung“

Spirituelle „Entschlackung“

Störende Altlasten systematisch abbauen

Vor allem spirituelle Neulinge lassen sich gern von dem Gedanken entmutigen, gegen ihre Fehler und Unzulänglichkeiten einfach nicht anzukommen. Ähnlich wie für Menschen, die körperlich entgiften wollen, gibt es jedoch ein altbewährtes praktisches Erfolgskonzept, um karmische Verunreinigungen sicher „auszuleiten“.

Seine Lebensweise umstellen

Wir versuchen immer wieder angestrengt, unsere Unzulänglichkeiten loszuwerden, indem wir sie unterdrücken. Aber das befreit uns nicht von unseren Fehlern. Es macht uns nicht rein. Wie werden wir sie am besten los? Warum diese Anstrengung, wo zu? Darum geht es nicht. Das Allererste ist, dass ihr nach und nach eure Unzulänglichkeiten erkennt. Dann merzt sie aus. Das setzt voraus, dass ihr ständig ein wachsames Auge auf all deine Gedanken habt. Wenn ihr heute fünf Fehler begeht, dann versucht, morgen nicht mehr als zwei zu machen. Merzt einen nach dem anderen aus. Das geht nur mit Wachsamkeit.

Außerdem sollt ihr nicht denken: „Ich bin ein Sünder, ich bin ein Sünder, ich habe das und das getan.“ Das hilft nichts. Ihr müsst versuchen, eure Verfehlungen zu reduzieren, indem ihr euch sagt: „Gut, ich habe gesündigt, aber ich höre damit auf.“ Ihr habt euch mit Schmutz besudelt – dann wascht ihn ab. Ihr seid goldhaltiges Erz, so wie es aus der Mine kommt – mit Schlacken behaftet. Sobald ihr euch davon ge reinigt habt, seid ihr lauteres Gold. Darum sage ich immer wieder: „Gott + Wünsche = Mensch. Mensch - Wünsche = Gott.“ Wenn ihr eine Zeitlang damit fortfahrt, wird es euch zur Gewohnheit und diese Gewohnheit wird euch zur zweiten Natur. Dann werdet ihr es nicht mehr wagen, die Unwahrheit zu sagen oder ähnliche Dinge zu tun.

Gifte ausleiten und meiden

Du sagst, wir sollten uns unserer Gedanken bewusst sein. Wenn nun aber in der Meditation Gedanken auftauchen...

Wie kommt es dazu? Doch nur, weil eure Aufmerksamkeit nachgelassen hat.

Ja. Aber wenn in der Meditation nun Gedanken auftauchen und wir sie uns bewusst machen, wird dann die Aufmerksamkeit nicht noch mehr nachlassen?

Ich glaube, diese Gedanken kommen euch gar nicht in den Sinn, wenn eure Aufmerksamkeit wohlgespannt bleibt. Unser unbe wusster Gemütsvorrat quillt förm lich von allen möglichen Gedanken über. Tut deshalb nur eine Sache auf einmal, und zwar voll und ganz. Darum sage ich bei meinen Meditationsanweisungen immer: „Seid mit voller Aufmerksamkeit dabei. Schaut beständig und ohne Unterbrechung mit minuziöser Genauigkeit nach innen und spürt auf, was dort ist.“ Dann wird während dieser Zeit kein anderer Gedanke in euer Bewusstsein eindringen. Erst wenn man innen nichts sieht, stehlen sich Gedanken herein.

Zweitens habe ich euch angewiesen, nicht negativ zu reden oder zu denken, sondern immer nur positiv. Ihr seid Seelen. Ihr seid Kinder Gottes. Ihr seid alle Mikro-Götter. Ihr seid vom selben Wesen wie Gott – ihr habt euch nur mit äußeren Eindrücken be schmutzt. Wascht diesen Schmutz einfach ab. Was ihr heute falsch gemacht habt, das tut morgen nicht wieder. Dazu gehört wachsame Kontrolle. Macht euch das ein für allemal klar – aber auch das bringt nichts, wenn ihr dann nicht auch korrekt lebt.

Ihr wendet ein: „Aber die Fehler, die ich mache, sind doch schließlich Gift für mich; es wird mich umbringen. Also muss ich doch etwas dagegen unternehmen.“ Natürlich handelt ihr euch damit Magenbeschwerden oder Kreislauf probleme ein. Aber wenn ihr schon Gift genommen habt, dann hört wenigstens jetzt damit auf. Was ihr in der Vergangenheit geschluckt habt, lässt sich ausschwemmen, wieviel es auch sei. Aber schluckt mir wenigstens kein neues mehr!

„Ihr seid alle Mikro-Götter, vom selben Wesen wie Gott – nur mit weltlichen Schlacken behaftet. Baut sie wachsam und zielbewusst ab.“

Das rechte Maß halten lernen

Wenn Frisch-Initiierte deine Schriften lesen, möchten sie am liebsten auf der Stelle vollkom - men werden, aber statt ihre Un vollkommenheiten auszumerzen, unterdrücken sie sie nur.

Seht her – Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Auch ein Ringer braucht mehr als einen Tag, um ein erfolgreicher Athlet zu werden. Das braucht einfach seine Zeit. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Hoffnungslose Fälle gibt es nicht. Jeder Heilige hat eine Vergangenheit und jeder Sünder eine Zukunft. Nur vergessen wir das allzu gern.

Dazu habt ihr ja das spirituelle Tagebuch – als Trainer oder Zuchtmeister, der jeden Augenblick streng über euren spirituellen „Trainingserfolg“ wacht. Das ist der einzige Sinn des spirituellen Tagebuchs.

Es dient vor allem zwei Zielen: Erstens sollt ihr darin eure Meditationszeiten und -erfahrungen eintragen, um euch daran zu gewöhnen, regelmäßig zu meditieren und euren inneren Fortschritt zu dokumentieren. Zweitens sollt ihr darin vermerken, wo ihr noch von den grundlegenden ethischen Regeln wie Gewaltlosigkeit und Wahrhaftigkeit abweicht, ohne deren Beachtung kein dauerhafter spiritueller Fortschritt möglich ist. Denn beim Meditieren geht es ja darum, durch die inneren Erfahrungen weltliche Eindrücke auszulöschen. Wenn ihr außerhalb der Meditationszeiten aber laufend weiter schädliche Eindrücke aufnehmt, kommt ihr natürlich nicht vom Fleck oder fallt am Ende gar zurück.

Das spirituelle Tagebuch sorgt dafür, dass euch eure negativen Neigungen bewusst werden – wie ein Kompass, an dem ihr ablesen könnt, wo ihr euren Kurs noch korrigieren müsst, um auf dem schnellsten Weg euer Ziel zu erreichen.

Ohne diese Kontrolle macht man sich leicht selbst etwas vor: man hält sich für besser, als man ist, und wundert sich, dass man in der Meditation nicht vorankommt – so ähnlich wie jemand, der sich wundert, dass er laufend zunimmt, weil er der Ansicht ist, doch kaum etwas zu essen. Erst wenn er regelmäßig Buch darüber führt, was er im Laufe eines Tages zu sich nimmt, wird ihm bewusst, wo er noch besser Maß halten muss.

Die „”Verdauung“ normalisieren

Im Übrigen können störende Gedanken auch daher rühren, dass wir uns zu viel mit theoretischen Fragen und all den „Wenns und Abers“ befassen, die sich daraus ergeben können. Unverdautes Essen gibt uns keine Kraft, sondern wandert uns nur im Bauch herum. Genauso spukt uns unverdautes Wissen nur im Kopf herum. Das theoretische Wissen vom Pfad muss nicht nur aufgenommen, sondern auch gründlich verstanden werden. Sitzt also nicht grübelnd über den Büchern – lest sie, verdaut sie und setzt sie in die Praxis um. Schaut einfach einmal, was ihr davon begriffen und verstanden habt – und das geht wiederum um so besser, je mehr ihr schon praktisch nach ihren Weisungen lebt.

Das ist ein wechselseitiger Prozess. Dazu ein Beispiel. In meinen Vorträgen und Büchern ermahne ich euch immer wieder: „Tut nur eine Sache auf einmal“. Wenn ihr sofort damit anfangt, diesen einen Ratschlag konsequent zu beherzigen, wird sich eure Konzentration nach und nach deutlich vertiefen. Das hilft euch wiederum, andere nützliche Hinweise zu erkennen, zu verstehen und umzusetzen, und erleichtert euch nicht zuletzt auch die Meditation.

Ich selbst habe früher jeden Tag die heiligen Schriften der Sikhs gelesen – der Glaubensgemeinschaft, in die ich hineingeboren wurde. Aber nicht gleich zehn Hymnen auf einmal, sondern immer nur eine – auch keine ganze Seite oder gar zweihundert am Stück – nein, nur eine Hymne auf einmal. Dann schrieb ich sie ab und sagte mir: „Das ist die heutige Lektion!“ Ich habe den ganzen Tag darauf verwendet, sie mir anzueignen. Dann erst versteht man ihre Bedeutung. Aber auch das geht nicht, solange man nicht gleichzeitig schon beginnt, so gut wie möglich danach zu leben.

Die Bhagavadgita ist eine einzige Lehrrede Lord Krishnas an seinen Schüler Arjuna. Er erschien ihm so gar in seiner Astralform, und dennoch fragte er ihn am Schluss: „Nun, Arjuna, hast du gehört, was ich gesagt habe?“ Hören und Zuhören sind nämlich zweierlei. „Wenn ja,“ fuhr Lord Krishna fort, „hast du dann noch irgend welche Zweifel?“ Er hatte Arju na seine Lehre vorgetragen – sie macht in der Gita nicht weniger als 18 Kapitel aus – und dabei jedes Thema ausführlich erörtert, und trotzdem stellte er ganz am Schluss noch einmal die Frage: „Hörst du mich, hast du mir auch wirklich zuge hört?“ Wir erinnern uns ja nicht einmal genau an unsere eigenen Grübeleien, wieviel weniger noch an das, was andere zu uns sagen. Versteht ihr also wirklich, was ich zu euch gesagt habe? Habt ihr auch wirklich zugehört? Und es auch verstanden? Ja?

Dann lebt danach, und ihr braucht mir in Zukunft keine solchen Fragen mehr zu stellen. Nur verdaute Nahrung gibt Kraft. Schlecht verdautes Essen bringt euch nur durcheinander, bis ihr es „unverrichteter Dinge“ wieder von euch gebt, und mit schlecht verdautem Wissen ist es genauso.

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