Suche Gott und finde alles

Suche Gott und finde alles

Selber wünschen führt zu: Nichts...

„Willst du für dich etwas von Gott, machst du aus ihm eine Kerze, damit du besser suchen kannst. Und hast du es gefunden, wirfst du die Kerze weg. Dabei suchst du ein Nichts, und darum findest du ein Nichts.“

VORGESTELLT.

Der größte deutsche Mystiker Meister Eckhart (ca. 1260-1329) war Dominikanermönch. Seine Predigten und Traktate speisten sich aus tiefster Gotterkenntnis. In der folgenden „Fragestunde“ nach Predigt 4 bezieht er auf zeitlose spirituelle Weise Stellung zur gegenwärtigen „Wünsch-dir-was-Manie“.

VISIONEN: Wir streben in allem nur nach dem Besten. Nur scheint es nicht immer das Beste für uns zu sein. Was ist denn das Beste für uns?

Meister Eckhart: Wenn du dich Gott überlässt und alles daran setzt, nur seinen Willen zu suchen, dann ist alles, was Gott dir gibt, das Beste für dich. Auch wenn dir vielleicht etwas anderes besser scheint, wäre es für dich doch nicht so gut.

Und woher weiß ich, dass es tatsächlich Gottes Wille ist?

Wäre es nicht Gottes Wille, so wäre es auch nicht. Denn Gottes Sein hängt daran, das Beste zu wollen. Darum muss auch ich es wollen, und nichts soll mir besser behagen.

Ist das nicht ein bisschen viel verlangt?

Angenommen, ich will unbedingt einem anderen Menschen gefallen und wüsste mit Bestimmtheit, dass ich ihm in grauer Kleidung besser gefalle als in jeder anderen, und wäre sie noch so schön – dann würde mir zweifellos die graue Kleidung doch auch besser gefallen und lieber sein als jedes noch so schöne andere Gewand.

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