Der bedeutendste Unterschied zwischen herkömmlicher und transpersonaler Psychologie ist wohl die Grundhaltung, dass nicht das Bewusstsein eine Begleiterscheinung der Materie ist, sondern die Materie eine Manifestation des Bewusstseins. Das kosmische Bewusstsein kann sich als unbegrenztes Feld manifestieren oder als Entität in Erscheinung treten. Entsprechend erweitert ist bei der transpersonalen Psychologie die Auffassung von der menschlichen Psyche. Diese Auffassung gründet auf Erfahrungen, die Menschen in veränderten Bewusstseinszuständen machen können.
Demgegenüber bezieht die akademische Psychologie die spirituelle Natur des Menschen nicht in ihre Denksysteme mit ein, weil sie Erfahrungen in anderen Bewusstseinszuständen als pathologisch betrachtet und das ihr innewohnende Heilpotential außer Acht lässt. Mainstream-Psychologen lassen sich in der Regel auf solche Erfahrungen nicht freiwillig ein.
Seine persönlichen Erfahrungen waren es, die die Ansicht des jungen tschechischen Psychiaters Dr. Stanislav Grof über gängige Theorien zum menschlichen Bewusstsein und seiner Psyche nachhaltig erschütterte. Er hatte sich in den 1950er Jahren an der Karls-Universität in Prag als Freiwilliger für ein Experiment mit LSD gemeldet, das damals von der Firma Sandoz zu Forschungszwecken an verschiedene Institutionen verschickt wurde. Das kosmische Bewusstsein offenbarte sich Stan Grof dabei in einer so überwältigenden Form, dass er seine Lebensrichtung total veränderte. Weil er auch bei anderen Versuchsteilnehmern immer wieder mystische Erfahrungen beobachtete, verließ er den herkömmlichen psychiatrischen Pfad.
„Nachdem ich die anfängliche Erschütterung meines Denkens, meine Ungläubigkeit in Bezug auf meine Beobachtungen und die Zweifel an meinem Geisteszustand erst einmal überwunden hatte, wurde mir allmählich klar, dass das Problem nicht in meiner Beobachtungsfähigkeit oder meinem kritischen Urteil lag, sondern im engen Denken der zeitgenössischen psychologischen und psychiatrischen Theorien und des monistischen (= auf ein Grundprinzip beruhend, Anm. d. V.), materialistischen Paradigmas der westlichen Wissenschaft“ (Grof, 2008, S. 14f).
„Wir sind nicht menschliche Wesen, die eine spirituelle Erfahrung machen, sondern spirituelle Wesen, die das Menschsein erfahren.“ (Anna Maurer)
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