Unterm Hollerbusch

Unterm Hollerbusch

Ein weises Hexen-Märchen

In den Mythen vieler Völker spielt die Hexe noch ihre ursprüngliche Rolle als „weise Frau“. In unserem Märchen wirkt sie in Gestalt ihres wohlbekannten Krafttiers, der Katze, als „innere Stimme“ und steht damit für das gerechte, zum Guten mahnende Göttliche in uns.

An einem heißen Wochentag nachmittags saßen einmal drei Bauersfrauen unter einem Holunderbaum und zogen über andere Leute her. Da sagte die erste von ihnen: „Es ist eine regelrechte Schweinerei, wie es auf der Alm oben zugeht. Da wird getrunken und gefressen, der Lustbarkeit nach gegangen und getanzt, und wenn es Nacht wird, steigen sie auf das Heu hinauf, um dort herumzuspringen. Kein Wunder, dass der Teufel selbst einmal gekommen ist und mit seinem Bockfuß nimmer abgehen wollte.“

Die anderen zwei Frauen gaben der ersten recht, und dann wurde es mäuschenstill. Es hatte den Anschein, als wollten alle drei Frauen ein wenig nachdenken. Wie es da so schön still ist, fährt ein zarter Wind durch den Holunderbaum, und eine Katze, die auf einem Ast oben saß, fing an zu reden: „Weib, sei nur still. Als du jung gewesen bist, bist du auch auf die Alm hinaufgestiegen und hast getanzt, getrunken und Lärm gemacht. Und nun, da du alt wirst, möchtest du nichts mehr davon wissen und nur noch über die Jungen losziehen.“

Eine von den Frauen verstand genau, was die Katze auf dem Holunderbaum gesagt hatte. Den anderen beiden hingegen kam es nur vor, als wäre ein leichter Wind durch den Baum gezogen.

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