Werden wie die Flöte

Werden wie die Flöte

Meditieren auf dem Sufi Weg der Substanziellen Entwicklung

„Lausche der Ney1, die klagend tönt, dass sie von ihrem Ursprung getrennt.“ Maulana Rumi2 beginnt sein Versbuch Masnawi mit einem Vergleich. Er vergleicht sich selbst mit einer Flöte aus Schilfrohr. Diese Flöte hat Öffnungen, die mit den Öffnungen des Körpers vergleichbar sind: Ohren, Nase, Mund. Um ihr Lied zu singen, braucht die Flöte Atem. Ohne Gottes Hauch ist der Mensch leblos. Im Koran lesen wir: “Und siehe da, der Schöpfer sprach zu seinen Engeln: Ich schaffe den Menschen, indem ich tote Materie mit Klang durchströme.“ (Koran 15:28)

Gefangen in dieser Welt

Rumi spricht von dem Leid der Seele, die sich im Körper eingesperrt fühlt. Sie ist voller Wehmut und sehnt sich nach ihrem Ursprung: „Seit man mich aus dem Reich der Schilfhalme schnitt, haben meine Wehklagen Männer und Frauen in tiefe Trauer versetzt.“

Das “Reich der Schilfhalme” ist die Heimat, der Ursprung. Hier war die “Flöte” (der Mensch) mit ihrem (seinem) Geliebten (Gott, dem Schöpfer) verbunden. Hier ernährte ihn das pulsierende Licht Gottes. Im Schoss des Schöpfers war alles grün und frisch und voller Leben. Jetzt ist die Flöte (der Mensch) von ihrem (seinem) Ursprung abgeschnitten, sie wehklagt und sehnt sich nach dieser geistigen Nahrung, die gleich Wasser und Brot ernährt.

Mit diesen zwei Zeilen deutet Rumi an, dass das Wesen des Menschen nicht von dieser Welt ist. Er beschreibt das Wesen wie einen Vogel, der im Käfig (dem Körper) gefangen ist. Dieser Vogel hat Sehnsucht, frei zu sein und in seine Heimat zurückzukehren.

Rumi vergleicht sich mit der Schilfrohr- Flöte, die wie ein leerer Kanal ist und dadurch die Wehmut der Menschen erklingen lassen kann und Männer und Frauen an die Zeit erinnert, als sie dem Geliebten nah waren. Die Erinnerung an den Geliebten erzeugt Wehmut im Herzen der Menschen. Es ist ein Weckruf: „Erinnere dich daran, wer du wirklich bist. Erinnere dich, wohin du gehörst.“

Die Flöte interessiert einen Sufi wegen ihrer Leere: Sie kann nur tönen, wenn sie leer ist.

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