Rumi spricht von dem Leid der Seele, die sich im Körper eingesperrt fühlt. Sie ist voller Wehmut und sehnt sich nach ihrem Ursprung: „Seit man mich aus dem Reich der Schilfhalme schnitt, haben meine Wehklagen Männer und Frauen in tiefe Trauer versetzt.“
Das “Reich der Schilfhalme” ist die Heimat, der Ursprung. Hier war die “Flöte” (der Mensch) mit ihrem (seinem) Geliebten (Gott, dem Schöpfer) verbunden. Hier ernährte ihn das pulsierende Licht Gottes. Im Schoss des Schöpfers war alles grün und frisch und voller Leben. Jetzt ist die Flöte (der Mensch) von ihrem (seinem) Ursprung abgeschnitten, sie wehklagt und sehnt sich nach dieser geistigen Nahrung, die gleich Wasser und Brot ernährt.
Mit diesen zwei Zeilen deutet Rumi an, dass das Wesen des Menschen nicht von dieser Welt ist. Er beschreibt das Wesen wie einen Vogel, der im Käfig (dem Körper) gefangen ist. Dieser Vogel hat Sehnsucht, frei zu sein und in seine Heimat zurückzukehren.
Rumi vergleicht sich mit der Schilfrohr- Flöte, die wie ein leerer Kanal ist und dadurch die Wehmut der Menschen erklingen lassen kann und Männer und Frauen an die Zeit erinnert, als sie dem Geliebten nah waren. Die Erinnerung an den Geliebten erzeugt Wehmut im Herzen der Menschen. Es ist ein Weckruf: „Erinnere dich daran, wer du wirklich bist. Erinnere dich, wohin du gehörst.“
Die Flöte interessiert einen Sufi wegen ihrer Leere: Sie kann nur tönen, wenn sie leer ist.
Wir hoffen, Sie finden diese Vorschau auf den Artikel aus dem Magazin VISIONEN interessant!
Es würde uns sehr freuen, Sie als neuen Abonnenten des Magazins begrüßen zu dürfen.