Wir leben in einem Zeitalter, in dem die konfessionelle Gebundenheit in unserer westlichen Gesellschaft sehr im Schwinden begriffen ist. Gleichzeitig sehnen sich zahlreiche Menschen, unabhängig von Alter, Geschlecht und sozialer Zugehörigkeit, nach einer religiösen Dimension in ihrem Leben. Immer weniger Menschen genügt es aber, dem dogmatischen Denken der Kirche zu folgen, weil sie darin kaum mehr Halt und Deutung für ihr Leben finden; immer mehr Menschen trennen sich daher von den Kirchen.
Die starre Doktrin des römischen Katechismus ist für viele heute nicht mehr nachzuvollziehen. „Ich kann das nicht mehr glauben, was der Pfarrer verkündet“, höre ich oft in Gesprächen. Jedes System aber, das in sich erstarrt, ist dem Untergang geweiht. Erstarrte Institutionen können sich von innen her nicht erneuern. Wenn sie aber von außen nichts zulassen, laufen die Anhänger davon. Sie ahnen, dass es eine religiöse Erfahrung gibt, die das rationale Denken über Gott, das von der Institution Kirche gerade heute wieder gefordert wird, übersteigt. Sie sind auf der Suche nach der Quelle ihrer Identität.
„Die kosmische Weltsicht des 21. Jahrhunderts erfordert eine zeitgemäße globale Spiritualität.“
(Willigis Jäger)
Eine repräsentative Umfrage der Identity Foundation ergab im Jahre 2006, dass sich nur noch 10 % der Deutschen den traditionellen Lehren der christlichen Kirchen und ihren Institutionen eng verbunden fühlen („Traditionschristen), dass aber 15 %, das sind mehr als sechs Millionen Deutsche, als „spirituelle Sinnsucher“ auf der Suche nach religiöser Erfahrung sind und dafür aus christlicher und anderer Mystik und Esoterik schöpfen, aber auch humanistische Ansätze einbeziehen. 35% können den „religiös Kreativen“ zugerechnet werden, die konfessionell nicht sehr festgelegt sind und für die auch Erkenntnisse und Praktiken anderer Religionen und Philosophien wichtig sind.
Die Religiosität, die heute wieder entdeckt wird, hat nichts mit einem antimodernen und streng disziplinären Fundamentalismus zu tun, auch wenn manche Menschen ihren Halt gerade darin suchen und finden. Fundamentalismus ist der Sieg der ...
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