Heilige vollbringen niemals Wunder für die Öf fentlichkeit. Manchmal lassen sie wundersame Dinge geschehen, aber nur im Verborgenen und so, dass sie ganz natürli ch wirken. Sie sind dann nur als ganz spezielle „Lernhilfen“ für ganz bestimmte Schüler gedacht.
Die Heiligen selbst legen keinen Wert auf Wundertaten. Aus der geistigen Sicht des spirituellen Pfades ist es rühmlicher und weiser, sich in Gottes Willen zu fügen, als durch Wundertaten in diesen göttlichen Willen einzu greifen.
Sie können in jeder Hinsicht tun, was sie wollen, doch sie betrachten Wunder nur als kindliche Spielerei – so wie ein Kind mit Seifenblasen spielt.
Natürlich betrachten die Menschen Wunder mit ehrfürchtigem Staunen. Aber Wunder sind in Wirklichkeit nichts Göttliches oder Spirituelles. Sie sind nur ein Spiel des mensch lichen Geistes, der wunderbare Kräf te hervorbringen kann – so genannte Siddhis –, sobald er vollkommen konzentriert ist. Wer über diese Kräfte verfügt, hat zum Beispiel die Fähigkeit zu heilen, Blinden das Augenlicht zu geben, einen fahrenden Zug anzuhalten, es regnen zu lassen, auf dem Wasser zu gehen, Teufel auszutreiben, Tausende von Menschen mit einem Laib Brot zu speisen, sich von einem Au genblick zum anderen an jeden beliebigen Ort zu begeben und dergleichen mehr. Wer seinen Geist beherrscht und zu den höheren Regionen aufsteigt, wird Herr über alle Kräfte der Natur. Doch warum sollte er sie verschwenden, indem er der Welt irgendwelche Kunst stücke vorführt?
Sie zu gebrauchen ist mit großen Gefahren verbunden. Wenn jemand diese übernatürlichen Fähigkeiten besitzt, wird ihm (wie Jesus) der Herrscher der materiellen Welt erscheinen und ihn auffordern, diese ungeheuren Kräfte auszukosten (vgl. Mt 4,1-11). Sie sind ein Mittel, mit dem Satan die Seelen fängt, um ihren inneren Fortschritt zu verhindern und sie auf der materiellen Ebene festzuhalten. (Sat-An bedeutet wörtlich: „das Nicht-Wahre“: die als negativer Gegenpol und Gegenspieler der reinen Wahrheit in der Welt wirkende Macht. Anm.d.Red.)
Ein Schüler, der auf dem Weg in die höheren Regionen ist, beginnt diese Kräfte schon ziemlich bald zu erwerben. Die Heiligen raten ihm jedoch, sie niemals einzusetzen. Die Strafe dafür kann sehr hart sein. Sie setzt seinem Fortschritt ein En de und macht ihn unter Umständen zum Opfer der schlimmsten Lei denschaften. Dann büßt er alle auch seine übernatürlichen Kräfte ein.
Und warum sollten sie? Sie verfolgen keine eigennützigen Zwecke mehr. Sie wollen vor der Welt nicht groß erscheinen und kennen keinerlei Eitelkeit mehr, der sie nachgeben müssten. Sie brauchen auch keine Propaganda für sich zu ma chen. Das alles bringt nur Plage und Unrast mit sich. Die Heiligen heißen es daher niemals gut, Wunderkräfte zur Schau zu stellen.
Je höher ein Schüler auf dem inneren Weg kommt, um so voll kommener wird seine Hingabe an den Willen des Herrn. Er be greift, dass der Große Werkmeister alles in der Welt richtig macht und keinen Fehler begeht. Warum sollte er sich also einmischen? Was ER tut, ist immer das Beste.
Natürlich. Doch wer in Wahrheit Gott sucht, darf nur Gott-Verwirklichung zum Ziel und Zweck seines Lebens machen. Tatsächlich haben wir dieses kostbare menschliche Leben nur aus diesem Grunde vom Herrn erhalten.
Ja, es gibt Mantras und andere Methoden, mit denen man sich jeden beliebigen Wunsch erfüllen und zu Macht und Reichtum kommen kann.
Ja, das alles können Sie bekommen – aber nur zu einem hohen Preis und mit schwerer karmischer Belastung. Unsere Wünsche schmieden die Kette unserer Wiederverkörperungen; sie sind die Ursache unserer Knechtschaft und unserer Leiden. Ein aufrichtiger Sucher sollte nie nach diesen Dingen verlangen. Sie sind große Hindernisse auf dem Pfad. Er sollte seine Aufmerk samkeit nur auf das einzig wahre Ziel des menschlichen Lebens richten – Gott-Verwirklichung. Was das Schicksal für ihn vorgese hen hat, wird er auf jeden Fall bekommen, und damit sollte er zufrie den sein.