Wenn wir die Begriffe Yoga, Meditation und Integrale Spiritualität lesen, ordnen wir ihnen zunächst automatisch die Bedeutungen zu, die wir bisher gehört, gelesen und in unserem Gedächtnis gespeichert haben. Oft kommen sie aus sehr unterschiedlichen Quellen, je nachdem zu welchem religiös-philosophischen oder auch psychologischen Fachbereich wir Zugang hatten bzw. noch haben. Sind wir begleitend mit der konkreten Anwendung von Yoga und/oder Meditation schon in Berührung gekommen und haben einige praktische Erfahrung gesammelt, dann sind glücklicherweise theoretisches Wissen und Interesse durch eine ganz bestimmte Übungspraxis mehr oder weniger, über kurz oder lang, in uns lebendig geworden. Durch das Inter-esse (wörtlich: dazwischen sein, aber auch beteiligt und ineinander sein) sind wir in Beziehung getreten und haben uns die ESSENZ, das den Texten und den Übungen innewohnende ursprüngliche SEIN, sinnlich und geistig im wahrsten Sinne des Wortes „einverleibt“.
Dieses Geschehen ist ein Integrationsprozess. Das Interessiertsein ist der erste Schritt zum Integriertsein. Dieser erste Impuls, durch den man in Beziehung tritt, muss aber vertieft und stabilisiert werden, damit daraus die bleibende Einsicht in unser ungeteiltes, ganzheitliches DA-SEIN wird.
Auf die spirituelle Übungspraxis bezogen, könnte man sagen: Der leere, zeitlose Raum, der Augenblick des Innehaltens, zwischen der Bewegung von Ein- und Ausatmen, zwischen zwei vollständigen Atemzügen, die Pause zwischen zwei Gedanken in der Meditation oder der Nachklang zwischen zwei Tönen ist das heilende Feld, in dem die Beziehung geschieht und das sowohl geistige Klarheit als auch energetische Balance bewirken kann. Gleichzeitig sind diese kleine Leere und ihre Stille Ausdruck der Urwirklichkeit im Veränderungsgeschehen der Erscheinungsformen. Sie sind das Durchscheinen (Diaphanie) der Einheit in der Vielfalt.
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