Spirituelles Spektrum
Eine Fundgrube für Definitionen und Äußerungen namhafter Weisheitslehrer und Philosophen zu ausgesuchten Aspekten der Spiritualität. Die verschiedenen Facetten eines Themas werden in aller Kürze aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
Das Druidentum ist mehr eine Natur- als eine Offenbarungsreligion. Die keltische Geisteswelt beruht auf einem (geradezu modern anmutenden) dynamischem Weltbild, in dem alle Dinge möglich sind. Ihr zentrales Symbol – der Kreis – steht für Ganzheit und Ewigkeit. Das druidische Glauben, Denken und Handeln dient dem tieferen Verständnis von Natur, Erde und Ich. Die menschliche Dreiheit von Seele, Herz und Verstand findet ihren Ausdruck in den bekannten Dreifachmustern und -symbolen wie et...
Ein Thema - sechs Sichtweisen
Kann ein aufgeklärter Menschen heute noch an Gott glauben? Die häufigsten Gründe von „Nein-Sagern“ sind: die Ungereimtheiten in den heiligen Schriften; das Leid, das die versuchte Verwirklichung religiöser Ideale verursacht hat; der Verdacht, Gott sei nur ein tröstliches Wunschbild gegen die Härten des Lebens. Doch eine unklar überbrachte Botschaft muss nicht unbedingt falsch sein, ein unvollkommen realisiertes Ideal nicht schlecht. Auch der...
Die Menschen halten ihre begrenzten Wahrnehmungen des Religiösen für die Wirklichkeit Gottes selbst. Doch Gott ist keine Projektion der menschlichen Phantasie, die wir uns untertan machen können. Welches Bild also sollen wir uns von ihm machen? Die Antwort ist: gar keines. Gott ist die eine Wirklichkeit, die in allem gegenwärtig ist – ob in der Milchstraße oder im kleinsten Atom – und aus der wir unser Sein beziehen. Darum können wir nur in ihm Erlösung finden.
Das mystische Erleben der „anderen Wirklichkeit“ ist in Tausenden von Kunstwerken bekundet. Alle höheren Religionen scheinen sich über die Möglichkeit dieser Erkenntnisweise einig zu sein. Seit der Romantik wird „Mystik“ als schwärmerisch-diffuses „ozeanisches Gefühl“ (Freud) auch auf nicht religiöse Phä...
Anders als in der westlichen Philosophie galt der Mensch im chinesischen Denken nie als das Maß aller Dinge. Es kennt keine Begriffe wie „Freiheit“ und „Selbstbestimmung“. Alle religiösen Traditionen Chinas gründen sich vielmehr auf das menschliche Streben nach Harmonie: mit Kosmos und Natur, Familie und Gesellschaft. So auch der Taoismus. Sein Mittelpunkt ist das Tao: Ursprung, Weg und Ziel aller Dinge. Es wirkt durch Nicht-Handeln: das „Nichteinmischen“ in den natürlichen, spontanen...
Zen ist die freieste Lehre, bei der es absolut nichts zu lernen gibt, ein direkter Erkenntnisweg und eine praktische Lebensweise. Zen zu üben erfordert tapfere Entschlossenheit, aber nicht den Ernst eines Bergsteigers, der den K2 bezwingen will: Zen bedeutet Freude am spirituellen Weg, und dieser Weg hat kein Ende, wie weit man auch fortgeschritten ist – stets dehnt sich vor einem ein „grenzenlo ses Jenseits“ aus.
Der Buddhismus stellt gerade für Menschen mit christlichem Hintergrund eine zunehmend attraktive religiöse Alternative dar: weil er vor allem ein praktischer, individueller Weg zur Erleuchtung ist und nicht einfach eine religiöse Lehre; weil er „so schön unreligiös ist“ und anscheinend nicht einmal eine oberste Gottheit braucht; weil er das Leiden weder verdrängt noch betont, sondern sich auf dessen Überwindung konzentriert.
Der Hinduismus ist zu keinem festen Zeitpunkt entstanden: er war gleichsam immer schon da. Er enthält fast alle Ausdrucksformen des religiösen Le bens, die je auf Erden entstanden sind – von der Magie bis zur Mystik. Schon das alte Indien strebte nach Selbstverwirklichung und der Einheit der Menschen in dem Einen Geist, und die Visionen früherer und moderner indischer Weiser legen bis heute Zeugnis...
Auch der Islam hat heute mit dem modernen Wertewandel zu kämpfen, zumal die koranische Botschaft als unwandelbar gilt. Gerade deshalb drängt sie so erfolgreich in die vom Christentum hinterlassenen Lücken. Je aggressiver dies geschieht, desto mehr schmerzen noch alte Wunden aus der westlichen Kolonialzeit. Doch erst wenn Christen und Muslime ihre Span...
Das Judentum hat nicht nur das Chri stentum und den Islam stark mitgeprägt, sondern die gesamte abendländische Kultur. Für das Selbstverständnis und die Rolle des heutigen Judentums zentral ist eine Frage, die sich so in anderen Religionen nicht stellt: Ist man als Jude nur Teil einer Konfession oder automatisch auch einer Nation? Die Meinungen dazu gehen in alle Richtungen auseinander.