Die Verkörperung der heute verbreiteten Schönheits-Ideale ist „natürlichen“ Körpern in aller Regel nicht möglich – selbst bei größten Opfern an Zeit, Geld, Schweiß, Ausdauer und Gesundheit.
Die Verkörperung der heute verbreiteten ästhetischen Ideale ist „natürlichen“ Körpern selbst bei verbissensten Anstrengungen in aller Regel nicht möglich...
Dennoch nehmen es immer mehr Menschen angesichts der überwältigenden Präsenz solcher Imagines auf sich, ihre ästhetische Rechtfertigung in gelingender Anpassung zu suchen. Das Phänomen der Fitness-Center und „personal trainer“, das Angebot von Nahrungsmittelzusätzen und der schwarze Markt für verbotene Anabolika bedienen diese Anstrengung. Sie steht in einer wachsenden Zahl von Fällen im Zeichen des Scheiterns, der prinzipiell unerreichbaren Beglaubigung – selbst bei größten Opfern an Zeit, Geld, Schweiß, Ausdauer und (künftiger) Gesundheit. Die Zahl der Märtyrer des neuen Kults wächst. Exzessive Jogger ruinieren ihre Knie, Gewichtheber ihre Wirbelsäule: Anabolika-Benutzer nehmen das Risiko einer um mehrere Jahre verkürzten Lebenserwartung in Kauf. Wie Adonis sich trotz Venus’ Abraten in tödliche Gefahr begibt, so setzen sich die heutigen Adepten des Schönheitskults regelmäßig über Selbsterhaltungs-Bedenken hinweg. Die Adonis-Assoziation von Schönheit und Todesneigung erhält damit neue Nahrung.
Das unglückliche Bewusstsein, nicht genau so auszusehen, wie es herrschende Körperideale wollen, scheint unter heutigen Bedingungen neue Leidensqualitäten von geradezu metaphysischer Dimension angenommen zu haben.
Winfried Menninghaus
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