Philosophen wie Kant und Hegel wollten die religiöse Gottesidee durch die philosophische ersetzen. Doch die philosophische Gottesidee scheint ja bestenfalls den Verstand, nicht aber das Herz anzusprechen.
Die Entwicklung, deren Resultat als der Tod des Philosophen-Gottes bezeichnet wird, war im Wesentlichen nicht die Folge atheistischer oder anti religiöser Tendenzen. Descartes, Kant oder Hegel waren keine Gegner der Theologie und erst recht keine Feinde der Religion; sie glaubten im Gegenteil, mit ihren Auffassungen den Theologen entgegen zu kommen. Descartes ging dabei von einer Unterscheidung zwischen der metaphysischen und der theologischen Auffassung Gottes aus, der zufolge die Metaphysik die Existenz Gottes zu beweisen hat, jedoch keine Aussagen über die Trinität, die Menschwerdung Gottes und Ähnliches machen kann.
Kant und besonders Hegel gingen weiter: Sie wollten die religiöse Gottesidee durch die philosophische ersetzen bzw. sie in diese „aufheben“. Hätte sich die Theologie darauf eingelassen, hätte sie einen hohen Preis zu entrichten gehabt: Sie hätte darauf verzichten müssen, Gott Bestimmungen beizulegen, die mit der philosophischen Gottesidee nicht vereinbar sind. Der Gott der Religion hätte sich in den Gott der Philosophen verwandeln müssen. Die namentlich von Hegel proklamierte Aufhebung der Religion in die absolute Philosophie hätte für die Religion den Verlust ihrer Selbständigkeit bedeutet.
Es ist daher verständlich, dass viele Theologen der von Hegel gewiesenen Richtung nicht folgten, ganz zu schweigen von religiösen Denkern wie Kierkegaard, die sich mit einem Gott der Philosophen nicht begnügen wollten, weil sie fanden, dass man zu ihm nicht beten und von ihm keinen Trost erwarten könne. Die philosophische Gottesidee scheint ja bestenfalls den Verstand, nicht aber das Herz ansprechen zu können.
Wolfgang Röd
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