Was ist Abseits und wozu sind Rote Karten gut? Und warum hängt die Qualität eines Stürmers auch davon ab, wie gut er auf Messers Schneide balancieren kann? Was hat es mit dem „nicht denken, einfach schießen“ auf sich und warum stehen „Instinktfußballer“ sehr viel öfter am richtigen Platz?
Der Ball kommt aus dem tiefen Raum, Klose zieht aus stark abseitsverdächtiger Position ab – und Tooor! … Das darf doch nicht wahr sein! Der Linienrichter winkt ab. – 70% der Männer und seit der WM im „eigenen Land“ auch mindestens 30% der Frauen verstehen diese Form der Geheimsprache. Sie ist viel leichter zu verstehen als Mathematik. Bei spirituell veranlagten Menschen sind die Werte allerdings immer noch nur halb so hoch. Da sie so gut wie nie Fußball gucken, haben sie seine spirituelle Dimension noch nicht entdeckt. Zeit, das zu ändern! Die EM steht vor der Tür und damit ein weites Feld für neue Erkenntnisse …
Da haben wir zunächst einmal ein Spielfeld, auf dem die Akteure den Zeugen ein Schauspiel darbieten. Das Problem mit den Zeugen ist, dass sie sich ihrer wahren Aufgabe nicht bewusst sind und sich, statt das Spiel zu bezeugen, mit den Spielern einer der beiden Mannschaften identifizieren. „Man“ könnte auch sagen, dass sie nicht objektiv, sondern parteiisch sind. Ehrlich gesagt, wäre das Spiel ohne Parteinahme ziemlich uninteressant. Wenn das zu viele bemerken würden, würde sich das niemand mehr anschauen. Dann wäre das Spiel einfach wieder nur ein Spiel. Ein Spiel ist nichts für Zuschauer, sondern was für Mitmacher. Deshalb werden Spiele fast ausschließlich von Kindern gespielt. Eine Wiese, ein paar Stöcke, ein Ball und los, oder einer zählt, ohne zu blinzeln, bis dreißig und die anderen laufen wild auseinander und verstecken sich. Wir „Erwachsenen“ wollen etwas anderes. Wir wollen keinen Kinderkram, sondern eine dramatische Inszenierung. Und das nicht immer auf Opernniveau. Lohengrin kann auf die Dauer ziemlich ermüdend sein.
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