Die Wüste ist seit alters her ein Ort, in den es Menschen zieht, die das Mehr im Leben suchen. Dort finden sie es. Für viele der uns bekannten Mystiker war die Wüste die entscheidende Station auf ihrem Weg. Die 40 Tage in der Wüste waren für Jesus der wichtige Schritt auf seinem Initiationsweg. Sie war der Ort der Versuchung, der Vision und der Offenbarung.
Bei unserem Weg durch die Wüste haben wir als Begleiter eine bestimmte Rolle, nämlich den Rahmen der Sicherheit zu schaffen. Wir behalten jeden im Auge und im Herzen und begleiten ihn ganz individuell. Wir lassen zum Beispiel den Selbstüberschätzer seine Erfahrungen machen, ohne dass er Schaden nimmt, und wir ermutigen den Zögerlichen, über seine selbst gezogenen Grenzen hinauszugehen. Für jeden soll der Raum des sich neu Erfahrens entstehen. Die Sahara bietet den Raum, sich als Ganzheit zu erfahren. In diesen Tagen wächst ein neues Selbst-Bewusstsein – ein neues Bewusstsein über das, was ich wirklich bin. Und daraus erwächst eine neue Lebenshaltung.
Wir als Begleiter sind gleichzeitig Teilnehmer, sind dabei als die Wesen, die wir sind, mit unseren Lernaufgaben, mit unseren anstehenden Schritten. Es ist für keinen Lehrer bzw. Begleiter hilfreich, die Rolle des Distanzierten zu spielen, der schon alles verwirklicht hat. Die Übungen, die uns das Schicksal schickt, gehen weiter, auch und besonders, wenn wir schon bestimmte Erfahrungsschritte gemacht haben.
Die Wüste hält immer Lektionen und Überraschungen bereit. (Charles Kunow)
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