Editorial Ausgabe November 2007

Liebe Leserinnen und Leser,

da die Globalisierung heute zunehmend auf unser Leben Einfluss nimmt und alle damit einhergehenden Probleme immer mehr unseren Alltag bestimmen, haben wir in der vorliegenden Ausgabe das Thema „Spiritualität und Wirtschaft“ aufgegriffen.

Von Jesus von Nazareth stammt der Ausspruch: „Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dabei Schaden an seiner Seele nimmt?“

Wenn man diesen Satz auf das heutige Wirtschaftsgebaren beziehen würde, würde Jesus wahrscheinlich im Himmel verzweifeln. Während Wirtschaftsmanager aller Länder das Kosten/Nutzen - Verhältnis kühl, rational und gewinnorientiert für ihre Aktionäre abwägen, die Kurse der Wallstreet über Wohl und Wehe des heimischen Arbeitsplatzes entscheiden, „Heuschrecken“ keine Naturplage mehr sind, sondern Monster aus der Retorte der Raffgier, und das Mekka des schnöden Mammon sich den Mantel des sozialen Saubermannes umhängt, bleibt die Frage nach dem Wohlergehen der Menschen mehr und mehr unbeantwortet. Die Gegner der Globalisierung haben zwar die Massenarbeitslosigkeit und die grassierende Armut (nicht nur der Dritten Welt) zu ihren Themen gemacht, aber auch bei ihnen bleibt der geistige Aspekt eines verantwortlichen wirtschaftlichen Handelns im Rahmen einer vorgegebenen Ordnung völlig unberücksichtigt.

Spiritualität ist nicht eine theoretische Wissenschaft für ein paar zurückgebliebene Träumer,
sondern ist ein existenzieller Grundstein für das Miteinander aller Menschen. Spirituelles Handeln setzt Einsicht über die eigene Begrenztheit und die Erkenntnis einer übergeordneten Macht genauso voraus wie Verantwortung für Mensch und Natur. Achtsamkeit, Ehrlichkeit, Einfachheit, Bescheidenheit und innere Disziplin sind Eigenschaften, die die Spiritualität als Grundvoraussetzungen für den inneren Reifeprozess eines Menschen verlangt. Während wir also heute die Manager von morgen ausbilden, sollten wir zuerst darauf achten, dass diese spirituellen Aspekte einen höheren Stellenwert haben sollten als die Bachelor- und Master-Grade an Universitäten.

Menschen, die Verantwortung in wirtschaftlichen Prozessen tragen, bedürfen einer hohen spirituellen Reife, ansonsten lassen die spirituellen Defizite die vermeintlichen wirtschaftlichen Vorteile letztendlich bedeutungslos werden, da der Mensch wie seit eh und je aus seinem Geist und nicht aus seinem Geldbeutel lebt.

Jeder von uns kann in seinem ureigenen kleinen Bereich selbst ein Stück mehr zu einer spirituellen wirtschaftlichen Welt beitragen, indem er nicht nur sein Konsumverhalten beobachtet, sondern die Prioritäten seiner Lebensgestaltung an spirituellem, geistigem Wachstum festmacht.

Mit herzlichen Grüßen
Ihre

Gerlinde Glöckner
eZ Publish™ copyright © 1999-2009 eZ Systems AS