Berührung ist lebensnotwendig. Ohne die Spiegelung in anderen Menschen, in anderen Lebewesen, sei es durch Sprache, körperliche Berührung oder emotionales Geschehen, verlieren wir unsere Bezüge. Erst im Gegenüber kann ich mich wahrnehmen. Wir nehmen uns wahr durch Austausch und Reflektionen. Meistens geschieht das unbewusst. Wenn Berührung mit einem Gegenüber nicht stattfindet, ist es sogar notwendig – die Not wendend –, sich selbst zu berühren, als Signal „Ich bin da, ich bin existent“. Damit wird wieder die Eigenwahrnehmung gestärkt.
Wir alle haben schon viele Schrecken im Leben erfahren, die einen größere Schrecken, die anderen Schrecken in abgemilderter Form. Alle Schrecken, die sich nicht entladen konnten, sitzen im Körper fest.
Wir ziehen uns zusammen, wenn wir uns erschrecken. Körperlich heißt das, die Zellen verlieren an Elastizität – es entsteht Überspannung. Nach einiger Zeit, wenn der Körperbereich sich nicht lösen kann, entsteht eine Verspannung – dadurch ist der Blutdurchfluss gemindert – der Stoffwechsel kann nicht in ausreichendem Maße geschehen – dadurch wird das Gewebe nicht ausreichend ernährt, es entsteht ein Mangel – der Energiefluss und der Wärmefluss geraten ins Stocken – Schmerz entsteht und damit ist ein Teufelskreislauf entstanden.
Denn wo der Schmerz entsteht, ziehen wir uns zurück, wir spalten die Region innerlich ab. Wird der Schmerz zu mächtig, nehmen wir Tabletten, die ihn nicht mehr spüren lassen. Die Ursache bleibt aber bestehen. Ich bin nicht dafür Schmerzen auszuhalten, ganz im Gegenteil. Wenn Schmerzen auftreten, müssen wir ihnen aktiv begegnen. Es geht darum, die Schmerzen als Warnhinweise ernst zu nehmen und mit ihnen umzugehen.
Ein gutes Beispiel ist ein eingeschlafenes Bein. Wir sitzen über eine längere Zeit in einer Haltung, in der das Bein einschläft. Zuerst tut es weh, wir übergehen das, dann wird der entsprechende Bereich taub, und dann, wenn wir aufstehen wollen, müssen wir das Bein erst mal wieder zum Leben erwecken, das Bein kribbelt und schmerzt, bis es wieder vollkommen integriert ist. Das braucht etwas Geduld und Zuwendung.
Wir benötigen also eine ganz bewusste Unterstützung, um die abgespaltene Zone – in diesem Fall das eingeschlafene Bein – wieder zu integrieren.
Heilende Berührung kann nur mit Achtsamkeit entstehen. Nicht mit und aus Mitleid, sondern in dem Wissen um die einzigartige Bedeutung des Anderen.
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