Heilerde – ein Geschenk der Natur

Heilerde – ein Geschenk der Natur

Heilerde ist eines der ältesten natürlichen Arzneimittel, deren positive Wirkung schon in der Antike geschätzt wurde. Heutzutage entdecken viele Menschen die Heilerde als bewährtes Hausmittel mit ihren vielseitigen Einsatzmöglichkeiten wieder neu.

Bis ins 19. Jahrhundert war Heilerde ein fester Bestandteil vieler Hausapotheken. Das änderte sich mit den Fortschritten, die in der Pharmazie gemacht wurden. Synthetische Stoffe ersetzten immer häufiger natürliche Heilmittel. Die Mediziner lehnten mehr und mehr den Einsatz von Heilerden ab, und so geriet sie zeitweise in Vergessenheit.

Bis Anfang des 20. Jahrhunderts die Pfarrer Sebastian Kneipp und Emanuel Felke sich intensiv mit den Wirkweisen von Lehm und Tonerde beschäftigten. Ersterer sollte später durch seine Kaltwasseranwendungen bekannt werden. Wie sein Kollege Felke war Sebastian Kneipp kein Mediziner, sondern interessierte sich als Laie für sanfte Heilmethoden. Jahrelang hatten verschiedene Ärzte erfolglos an seiner hartnäckigen Tuberkulose laboriert. Kneipp begann sich selbst mit Kaltwassergüssen und –bädern zu therapieren. Es gelang ihm, seine Lungenkrankheit auszukurieren. Neben Wasser hielt Kneipp Lehm für ein probates Heilmittel, das er hauptsächlich äußerlich in Form von Wickeln und Umschlägen empfahl. „Er verordnete die Erdtherapien überall dort, wo kühlende ausleitende Umschläge erforderlich waren, also bei Wunden, Unterschenkelgeschwüren, Venenentzündungen, Gelenkerkrankungen und Hautauschlägen, bei Rippenfell- und Halsentzündungen, sowie bei Hornissen-, Bienen- und Wespenstichen“, zählt die Therapeutin Margot Hellmiß auf.

Felke-Kur

Kneipps Pastorenkollege Emanuel Felke kam auf die Lehmtherapie durch Tierbeobachtungen. Er hatte gesehen, wie sich ein verletzter Hund in Lehm wälzte, um seine Wunden zu kühlen, die innerhalb weniger Tage durch diese Prozedur gut verheilten. Daraufhin begann Felke mit Lehm zu experimentieren. Neben seinem Theologiestudium belegte er einige Vorlesungen an der medizinischen Fakultät. Während seiner Zeit als Pastor in Kronenberg setzte er erfolgreich Heilerde zur Behandlung von Diphtherie ein. Einige Jahre später legte Emanuel Felke sein Pastorenamt nieder und widmete sich ganz der Heilkunde.

Die nach ihm benannte Felke-Kur mit Lehmbädern, Barfusswanderungen, viel Bewegung und Vollwertkost wird bis heute in einigen Heileinrichtungen und Kurhäusern angeboten.

LANGE BEVOR DER MENSCH HEILERDE ZU SCHÄTZEN LERNTE, NUTZTEN SIE SCHON DIE TIERE, UM WUNDEN ZU KÜHLEN, ZU REINIGEN UND ZU VERSIEGELN, INDEM SIE SICH DARIN WÄLZTEN, ODER, WIE ES ELEFANTEN BIS HEUTE MACHEN, UM SICH VOR PARASITEN ZU SCHÜTZEN.

Noch ein dritter Mann widmete sich Anfang des 20. Jahrhunderts intensiv den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Lehm. Adolf Just war eigentlich Buchhändler. Wie Felke litt er an einer härtnäckigen Krankheit. Ein langjähriges Nervenleiden, das er durch eine Kneippkur, Heilanwendungen mit Lehm und eine vegetarische Lebensweise kurieren konnte. Um möglichst viele Menschen mit seinem Ansatz bekannt zu machen, gründete Adolf Just 1896 eine Heilanstalt. Zu dieser Zeit war die „Jungborn, Luftkurort und Lehranstalt für naturgemäße Heil- und Lebensweise“ die größte Einrichtung dieser Art weltweit.

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