Aus meiner langjährigen Arbeit mit den seelischen Blockaden von Menschen weiß ich, dass es sehr viele Möglichkeiten gibt, sich selbst näher zu kommen. Wann immer ich einen Patienten mit einem bis dahin unbekannten seelischen Thema konfrontiere (s. Kasten), erkennt er im Idealfall ein Stück seiner selbst und kann von diesem Punkt weiterwandern auf dem Weg zu sich selbst.
Ich denke, bei der Meditation geht es im Eigentlichen darum, dass wir bestimmte Botschaften in unser tägliches Leben einflechten, darin verankern und dann auch bestmöglich leben. In diesem Sinne ist Meditation Lebensschule – und kann sehr lustvoll und aufregend sein.
Dazu ein Beispiel aus meiner Praxis: Ulla, 43, ausgebildete Therapeutin der Steiner’schen Richtung, hatte einen psychotischen Schub erlitten und war deshalb sogar in stationärer Behandlung gewesen, bevor sie zu mir kam. Als dreifache Mutter war sie ständig gestresst, und ihr war klar, dass sie besser genesen konnte, wenn es ihr gelänge, innerlich zur Ruhe zu kommen. Dies würde auch das gespannte Verhältnis zu ihren Kindern entkrampfen und ihr mehr Kraft geben, sich gegen dominante Personen in ihrem Umfeld zur Wehr zu setzen.
Bei ihr kombinierte ich die ohnehin fällige Energiebehandlung mit dem Ansatz, die positiven Lösungssätze (Affirmationen) stärker in den Vordergrund der Gespräche zu stellen. Mit Erfolg: Sie ist seit fast zwei Jahren rückfallsfrei, wirkt um Jahre verjüngt, fröhlicher, ruhiger, fast wie ein neuer Mensch – und konnte ihre allopathische Medikation deutlich reduzieren.
Wie kam es dazu? Ullas Anfangs-Energiewerte waren schlimm: 60 vitale Kraft, 40 emotionale Energie, 30 mentale Energie, 70 intuitive Energie, wobei die Normwerte 100/ 100/ 100/ 40 wären.
Sie ist zwar überdurchschnittlich feinfühlig (70 intuitiv statt 40) – kann diese ganzen Eindrücke jedoch nicht mit dem Verstand filtern (Mentalwert 30 statt 100). Wer nur noch so wenig mentale Energie hat, kann nicht mehr klar denken und fürchtet, dass er sich in seine Einzelteile auflöst – die genaue psychiatrische Beschreibung einer schizophrenen Psychose. Zudem ist Ulla seelisch erschöpft (emotional nur 40 statt 100) – das klinische Bild einer Depression –, und auch die körperliche Fitness ist weit unter Norm (60 statt 100).
Die erste Blockade, die wir beseitigten, war eine geopathische Störzone, die durch den Kopf ging und die Denkfähigkeit – sowie die Erholungsfähigkeit des Organismus in der Nacht – beeinträchtigte. Dazu erhielt sie Nerven stärkende homöopathische Tropfen. Das erste seelische Lernthema war der Konflikt: „Ich bin nicht gut genug, alle anderen sind bestimmt viel toller als ich“ – und dem entgegen stellten wir den Satz: Ich habe alle Talente und Fähigkeiten, die ich zur Bewältigung meiner Lebensaufgabe brauche! Dieser Satz klang damals wie ein Witz, denn sie wurde von einer Begleitperson zur Therapie gebracht,
weil sie nicht Auto fahren konnte und sich von allem und jedem bedroht fühlte. Auch konnte sie sich nicht um ihre Kinder kümmern, von eigener Lebensperspektive ganz zu schweigen. Gleichwohl wollte ihre Seele genau das ins Licht bringen.
Nur ein Vierteljahr später waren ihre Werte mit vital 90, emotional 80, mental 80 und intuitiv 80 bereits deutlich besser, und sie selbst sagte, sie habe auch schon mehr Energie in Becken und Beinen – ein Zeichen dafür, dass sie sich besser erden und für sich selbst besser „hinstehen“ konnte.
Die zweite Schicht, die zum Lernen anstand, hatte mit Überaktivität des vegetativen Nervensystems zu tun und mit dem seelischen Thema, ständig angespannt zu sein. Der Meditationssatz lautete diesmal: Ich kann entspannen und loslassen, ich schöpfe dadurch neue Kraft! Obwohl ich Ulla keine konkreten Anleitungen für diesen Satz gab, war und bin ich überzeugt, dass die Seele jedes Patienten genau weiß, was zu tun ist – manche Patienten malen über den Satz ein Mandala, manche fangen an, Steine zu bemalen, andere schreiben Gedichte oder Lieder, wieder andere sagen sich den Satz immer wieder laut vor, wenn sie ihre Tropfen einnehmen oder in stressige Alltagssituationen geraten – kurz, die Variationsmöglichkeiten sind vielfältig wie die Menschen selbst.
Vier Monate später hatten sich Ullas Werte mit 90/ 90/ 100/ 90 noch weiter erhöht. Vor allem war die kritische Denkfähigkeit (Mentalwert 100) wieder in vollem Umfang vorhanden und ermöglichte es ihr, ihren Alltag zu bewältigen. Konkret hieß das, dass sie ohne Begleitperson in der Praxis erschien, ihre Kinder selbst versorgte und auch selbst wieder Auto fuhr. Diesmal hatte das seelische Thema mit Schock und erstarrten Gefühlen zu tun, und die Lösung hieß: Ich spüre meine Lebendigkeit auch in schweren Zeiten und ich bleibe im Fluss.
Nach weiteren vier Monaten sah ich sie zum bisher letzten Mal. Ihre Werte waren mit 90/ 100/ 100/ 90 hervorragend, und es ging ihr körperlich, seelisch und geistig ausgezeichnet. Sie war eine strahlende Frau geworden, deren Transformation jedem auffiel, selbst ihren Kindern.
Das letzte Thema, das ihre Seele noch anschauen wollte, war ihre lange verinnerlichte extreme Selbstbeherrschung. Dafür bekam sie folgenden Satz: Ich gehe liebevoll und pfleglich mit mir, meinem Körper und meinen Gefühlen um! Das ermöglichte ihr in der Folge dann u.a., mit einer vernünftigen Ernährungsform die Kilos zu verlieren, die ihr durch die verordneten Psychopharmaka zugewachsen waren, jedoch ohne sich dafür zu verurteilen, dass sie nicht von Anfang an „diszipliniert“ gewesen war.