Warum es gesund ist, ab und zu krank zu sein

Warum es gesund ist, ab und zu krank zu sein

Harmlose Infekte und Kinderkrankheiten haben einen Sinn. Sie sorgen dafür, dass unser Immunsystem gestärkt wird. Eingriffe von außen durch Antibiotika oder fiebersenkende Mittel bringen es aus dem Gleichgewicht und können langfristig zu Allergien und chronischen Leiden führen. Diese These vertritt der Wissenschaftsjournalist Bert Ehgartner und untermauert sie durch eine fundierte Recherche und zahlreiche Studien, die er in seinem neuen Buch Lob der Krankheit vorstellt.

Was gab für Sie den Ausschlag, ein Buch als Lob der Krankheit zu schreiben?

Als Chefredakteur einer Gesundheitsplattform in Österreich erhielt ich immer wieder Pressemitteilungen, die darauf abzielten, auf bestimmte Themen im Rahmen eines so genannten awareness day aufmerksam zu machen. Da wird ein ganzer Tag beispielsweise Alzheimer, Osteoporose oder Rheuma gewidmet. Dazu veröffentlicht die Pharmaindustrie bestimmte Informationen. Außerdem gibt es die regelmäßigen Impfaufrufe und Hinweise, doch bitte zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen. Mit anderen Worten, von überallher kommen immer nur Warnungen: Man könnte diese oder jene Krankheit haben, man soll sich durchchecken lassen. Ich fragte mich: Gibt es überhaupt jemanden, der auch einmal Entwarnung gibt? Gibt es jemanden, der auch die Risiken dieser Maßnahmen, die da ständig gepredigt werden, überprüft? Hinzu kam die Fragestellung: Ist es möglich, dass Krankheit auch einen biologischen Zweck erfüllt? Damit begann für mich eine spannende Entdeckungsreise.

Zu welchen Erkenntnissen gelangten Sie dabei?

Bei meinen Recherchen hat sich herausgestellt, dass Krankheit einen Zweck erfüllt und dass es Sinn macht, mit Keimen, Bakterien, Viren und sogar mit Würmern in Kontakt zu kommen. Vor allem am Beginn des Lebens spielt das eine ganz besondere Rolle, weil die Evolution nach dem Motto vorgeht: Wenn man etwas nicht vermeiden kann, wird es genutzt. Nachdem wir über Zehntausende von Jahren mit Tieren aus denselben Wasserlöchern getrunken haben und dabei mit Unmengen an Keimen in Kontakt kamen, nimmt die Natur das als selbstverständlich an und gibt ihnen eine Funktion. Bestimmte Teile des Immunsystems können beispielsweise nur entstehen und sich entwickeln, wenn wir mit bestimmten Bakterien in Kontakt kommen. Der Mensch, speziell am Lebensanfang, wartet im Grunde darauf, damit in Kontakt zu kommen, um die Entwicklung zu einem kompetenten Immunsystem voranzubringen.

Je öfter das Immunsystem manipuliert wird, umso öfter kann es passieren, dass es zu Fehlinformationen kommt.

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