Als 1959 nach dem tibetischen Volksaufstand der Dalai Lama und der Großteil der spirituellen und politischen Elite das Land verließ, wurde auch der Orden der Drikung Kagyü enorm geschwächt. Viele hohe Lamas der Drikungpa suchten das Exil auf, aber der Thronhalter der Linie, der damals zwölfjährige Chetsang Rinpoche, musste in Tibet zurückbleiben. Die engstirnigen Klostervorsteher hatten sich mehrfach den Versuchen widersetzt, Chetsang Rinpoche ins Ausland zu bringen. Als eben für ihn die Zeit seiner Ausbildung in höherer buddhistischer Philosophie angebrochen war, durfte er im Kloster nicht mehr den Erläuterungen der Lamas lauschen, er musste kommunistische Indoktrinationen über sich ergehen lassen. Mit einem Schlag wurde sein Leben als eine der herausragenden hohen Lamainkarnationen Tibets, verehrt als lebender Buddha, als Hort der Zuflucht für die Gläubigen, auf den Kopf gestellt.
„Während ich darum bete, Rinpoche möge lange und gesund leben, vertraue ich darauf, dass viele Hoffnung und Inspiration aus dem gewinnen, was er bislang vollbracht hat.“ (XIV. Dalai Lama über Drikung Chetsang Rinpoche)
Schon einmal hatte er eine vollkommene Umwälzung in seinem Lebensentwurf erfahren. Damals war er noch keine vier Jahre alt und lebte in einem palastartigen Anwesen in Lhasa, in dem sich ein Heer von Bediensteten um das Wohlergehen der Hausgemeinschaft sorgte. Chetsang Rinpoche war ein Spross des berühmten Adelsgeschlechts der ...
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