Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“ Wir kennen diesen Spruch. Er ist aus einem der berühmtesten, von den Brüdern Grimm überlieferten Märchen. Darin siegt Schneewittchen mit ihrer natürlichen, unschuldigen Schönheit über die raffinierte, sicher mit allem weiblichen Sexappeal und viel Schminke ausgestattete Königin, den „alternden Hollywoodstar“. Über 1 Million Amerikaner lassen jährlich eine Schönheitsoperation über sich ergehen: Face-Lifting, Fettabsaugen, Brust- oder Penisvergrößerungen, Veränderungen von Nase, Brauen, Augenlidern, Ohren. Häufig können Chirurgen in den vorangehenden Beratungsgesprächen nicht nachvollziehen, was die Patienten an ihrem Aussehen so schrecklich finden, doch offensichtlich gibt ihnen die Operation mehr Selbstwertgefühl.
Weniger drastisch, dafür umso häufiger ist die „Selbstbehandlung“ durch Lippenstift, Schminke, Tätowierung und Piercing. 50 Milliarden Dollar bringen Kosmetik- und Toilettenartikel jährlich weltweit ein, über 80% davon in den USA, Europa und Japan. In den USA werden in jeder Minute 1482 Lippenstifte verkauft. Schönheit um jeden Preis? Sind wir derart hypnotisiert von der Werbung, vom Anblick der Models? Gefangen in einem Massenwahn, dass besseres Aussehen erfolgreich und glücklich macht?
Tatsache ist, dass bereits Babys länger in Gesichter blicken, die allgemein als attraktiv gelten. Gutaussehende Schüler werden besser benotet als die unscheinbaren. (Test: dieselbe Prüfungsarbeit mit unterschiedlichen Fotos). Schöne Angeklagte kommen vor Gericht besser weg als hässliche, sofern es nicht um Betrug und Heiratsschwindel geht. Die Entwicklungspsychologin Prof. Dr. Nancy Etcoff meint dazu: „Von schönen Menschen erwarten wir, dass sie alles besser können – vom Steuern eines Flugzeugs bis zu ihren Fähigkeiten im Bett.“ Manchem geht es auch auf die Nerven, wegen äußerer Merkmale bewundert zu werden. Der Schauspieler Paul Newman meinte: „Wenn man so hart gearbeitet hat wie ich und etwas erreicht hat, und dann kommt so ein Idiot daher und sagt: „Nimm mal die Sonnen- brille ab, damit ich deine schönen blauen Augen sehen kann“, das ist wirklich entmutigend!“
Attraktive Menschen haben in der Regel mehr Selbstbewusstsein. Doch gemessen an den offensichtlichen Vorteilen, die ihnen ihr Aussehen verschafft, sind sie – wie die Psychologen Ed Diener und David Myers nachwiesen – kaum glücklicher als andere. Selbst das scheinbar erfüllte Liebesleben mache sie insgesamt nicht zufriedener. Ein Grund dafür sei – so der Psychologe Timothy Miller – dass sich die Schönen weiterhin mit anderen, womöglich noch Schöneren verglichen. Der Schlüssel zum Glück liege jedoch darin, dankbar zu sein für das, was man hat und ist.
Dennoch bleibt die Frage, warum so vielen Menschen äußere Schönheit derart wichtig ist. Und: Worin besteht überhaupt diese Schönheit? Was macht bestimmte Gesichter anziehender als andere?
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