Buddha und Einstein

Buddha und Einstein

Die Bedeutung des Mandala für die heutige Physik

Liefert das tibetische Mandala das Modell für eine Physik, die über Einstein hinausgeht? Der Wissenschaftsjournalist und Buddhist Helmut Hansen ist davon überzeugt. Christian Salvesen fasst die wichtigsten Punkte zusammen.

Physik und Tiefenpsychologie

Mitte des 20. Jahrhunderts (ab 1932) tauschten sich der Tiefenpsychologe Carl Gustav Jung (1875-1961) und der Physiker Wolfgang Pauli (1900-1958), beide wichtige Vordenker auf ihrem Gebiet, über die Bedeutung der so genannten Archetypen aus. Ihr Briefwechsel (als Buch leider vergriffen) gehört zu den wissenschaftlich spannendsten Dokumenten des vergangenen Jahrhunderts und umkreist ein Thema, das die Wissenschaftler und Philosophen, ja jeden von uns heute mehr denn je fasziniert: Wie ist eigentlich die Beziehung von Geist und Materie in dieser unserer Welt? Folgt die Materie dem Geist, oder ist umgekehrt das Bewusstsein ein Produkt der Materie?

Wolfgang Pauli war überzeugt, dass Jungs Archetypen des Unbewussten nicht nur von Interesse für Psychologen seien, sondern unbedingt in die Physik einbezogen werden sollten. Manche der Mandalas, die Jung zu den Archetypen zählte, konnten durchaus Modelle der physikalischen Wirklichkeit sein. Das würde bedeuten, dass innerlich Erlebtes noch verborgene physikalische Strukturen oder Gesetze offenbaren kann. Es könnte sogar bedeuten, dass der Geist die Materie bestimmt. Dieser Ansatz wurde jedoch nicht weiter verfolgt und geriet in Vergessenheit.

Buddhismus

Helmut Hansen (geboren 1953), zunächst als „reiner Materialist“ ganz den Naturwissenschaften zugewandt, begegnete Anfang der 80er Jahre Ole Nydahl, dem charismatischen dänischen Lama der Kagyu-Linie des Tibetischen Buddhismus, und ließ sich initiieren. Er erfuhr in Meditationsretreats von erstaunlichen Fähigkeiten des Geistes. Einige tibetische Lamas können in tiefer Meditation aktuell Orte sehen, die Lichtjahre entfernt sind. Das widerspricht allerdings dem Grundsatz Albert Einsteins, dass nichts die Lichtgeschwindigkeit überschreiten kann, auch keine noch so subtile Information.

Jahrelang verfolgte Hansen dieser Widerspruch bis in seine Träume, doch stets war er sich irgendwo tief innen sicher, dass sich Buddha und Einstein auf einen gemeinsamen Nenner bringen ließen. Er fand eine Lösung – im Mandala.

Das Mandala

Das Wort Mandala (Sanskrit, meist mit „Kreis“ übersetzt) ist aus „manda“ = Behälter und „la“ = Essenz zusammengesetzt. Hansen führt aus: „Als das komplexeste Mandala gilt das ...

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