Das Leben ist ein Film

Das Leben ist ein Film

Teil 2: Der Zuschauer

Es gibt einige wenige Romane, Bilder und Filme, die in sich einen Hinweis enthalten, dass das, was sie zeigen, nicht wirklich ist. Hilft uns das, die Welt und uns selbst als Illusion zu erkennen?

Ein Trick Gottes

Im ersten Teil (Mai-Heft) bin ich auf die Kunst eingegangen, eine Geschichte (zum Beispiel im Film) so spannend zu gestalten, dass wir glatt vergessen: Ich bin ja nur Zuschauer! Wir glauben, mitten drin im Geschehen zu sein und selber zu agieren. Ist es nicht so, in unser aller Leben? Einige Mystiker und Philosophen behaupten: Das ist ein Trick Gottes. Kein böswilliger, eher ein spielerischer, ja liebevoller. Die Leere, das Nichts, verdichtet sich zu einem abenteuerlichen Geschehen. Warum? Damit wir Geschöpfe uns „des Lebens erfreuen“ können?

Falls ja, scheint das bisher auf wenig Gegenliebe gestoßen zu sein. Womöglich waren es die unzähligen Klagen seit Menschengedenken – „Warum muss ausgerechnet ich so leiden!?“ –, die Gott dazu bewogen haben, einen weiteren Trick in seine Schöpfung einzubauen. Je nach kulturellem Kontext wird dieser Trick Umkehr, Erwachen, Höchste Einsicht oder Erleuchtung genannt.

Der indische Weise Ramana Maharshi beschreibt es so: „Auf der Leinwand sehen Sie manchmal einen großen Ozean mit endlosen Wogen; dann verschwindet er wieder. Oder Sie sehen ein sich ausbreitendes Feuer, das auch wieder verschwindet. Ist die Leinwand vom Wasser nass geworden oder vom Feuer verbrannt? Nichts hat die Leinwand berührt. Genauso berühren die Dinge, die im Wachen, Träumen und Tiefschlaf geschehen, Sie nicht, denn Sie bleiben Ihr eigenes Selbst.“

„Besteht unsere Welt aus wirklichen Dingen – oder sind wir nur von Bewusstsein umgeben?“ ( Jostein Garder)

Könnte eine Figur in einem Roman oder einem Film darauf hinweisen, dass sie nur aus Buchstaben auf dem Papier oder aus Lichtreflexen auf einer Leinwand besteht? Natürlich ist das möglich. Ansätze dazu, dass sich die Figuren innerhalb einer Story selbst als Fantasiegebilde entlarven, gibt es in Literatur, bildender Kunst und Film. Diese Beispiele sind eine Art Sabotage des Dramas, denn sie unterbrechen nicht nur die Handlung, sondern lassen sie von einer ganz anderen Ebene aus als unwirklich erscheinen.

Sofies Welt

In seinem berühmten Roman „Sofies Welt“ macht Jostein Gaarder an einem ganz bestimmten Punkt in der Darstellung der Philosophiegeschichte einen überraschenden Sprung, und zwar da, wo es um die Philosophie von Bischof George Berkeley (1685-1753) geht. Berkeleys Philosophie lautet, kurz gesagt: Es gibt keine Außenwelt, keine äußere Wirklichkeit. Es gibt nur das, was ...

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