Kontrolle, Misstrauen, technischer Verstand. Die Furcht vor den Unvorhersehbarkeiten des Lebens wird in unserer hoch funktionalen Welt immer größer. Es darf kein Sand ins Getriebe kommen. Jeder könnte potentiell gefährlich sein, sich als „Trojaner“ entpuppen, als jemand, der Viren streut. Damit es in diesem atemberaubenden Tempo weitergehen kann, brauchen wir eine klar berechenbare – digitale – Welt. Überschaubar wie die Start- und Landebahn, auf der das Flugzeug sicher gelandet ist. Oder wie die Autobahn, neben der ich gerade herlaufe. Im coffee-to-go Zeitalter sind wir jederzeit startklar, bereit für den take-off – und atemlos. Weil es einer berechenbaren Welt an Flexibilität fehlt, müssen wir immer anpassungsfähiger und überall einsetzbar sein. Auch wenn wir uns dafür selbst verleugnen und tot stellen müssen. Von uns wird verlangt, dass wir keine Schwierigkeiten machen und alles dafür tun, dass der Ball ungehindert rollen kann.
Was wir vom Kopf her wissen, wird auf dem Weg zur Erfahrungstatsache: Nichts von dem, was wir erleben, ist für die Ewigkeit bestimmt.
Wer den Ball ins Spiel gebracht hat und wer ihn heute spielt, das weiß niemand so genau. Vorbei am Besucherparkplatz, der vom Fassungsvermögen her gut vor einem Fußballstadion stehen könnte, laufe ich an der schnurgeraden Straße entlang. Ewigkeiten. Um mich herum eine Wüste aus Beton. Am Straßenrand stehen die durchgezählten Bäume hübsch ordentlich in Reih und Glied. Jeder Baum trägt eine Plakette „um den Hals“: 1104, 1105, 1106… Als ob ich einen stehlen und in meinen Rucksack packen wollte. Nachdem ich den Münchner Flughafen fast komplett umrundet habe, gibt er mich ...
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