Mircea (ausgesprochen Mirscha) wächst in einer orthodox-christlichen Familie in und bei Bukarest auf. Seine ersten Erinnerungen sind getränkt von der sinnlichen Faszination am Leben und der Natur sowie von einer Art mystischem Schauer, etwa als er den für Kinder verbotenen „grünen Salon“ betritt und sich dort in einem diffusen, irrealen Licht, „eingeschlossen wie in einer Weinbeere“ erlebt.
Eliade reflektiert in seinen Schriften immer wieder seine Kindheit: „Das Geheimnis der Welt wird uns in der Kindheit offengelegt, aber im Allgemeinen anschließend wieder vergessen. Mit dem Erwachsenwerden schwindet das Geheimnis, und das Heilige wird aus dem Kosmos und aus dem menschlichen Dasein entfernt.“
„Das Geheimnis der Welt wird uns in der Kindheit offengelegt, aber im Allgemeinen anschließend wieder vergessen.“
(Mircea Eliade)
Wegen seiner starken Kurzsichtigkeit soll Mircea nur die Schulbücher lesen, doch er verschlingt heimlich alles, was ihm in die Hände und vor die Brille kommt. Darunter sind auch Bücher von Goethe und Alexandre Dumas. Die ersten Jahre am Gymnasium empfindet er oft als Erniedrigung. Er rebelliert immer wieder, zerreißt zum Beispiel vor den Augen des Lehrers eine korrigierte Klassenarbeit. Doch zunehmend setzt sich sein Drang zum Schreiben durch. In der Schülerzeitung werden seine Aufsätze veröffentlicht. Sie sind bereits religionswissenschaftlich orientiert und durchaus fundiert.
In seinem ersten Roman „Der kurzsichtige Jüngling“ (posthum veröffentlicht) beschreibt er sich selbst in seiner Gymnasialzeit. „Seit langem hatte ich gelernt, Ekelgefühle zu überwinden, indem ich nacheinander Zahnpasta, Seife, Käfer, Mücken und Raupen verzehrte.“ Hier zeigt sich früh jenes Ideal, dem Eliade zeit seines Lebens verpflichtet war: die Überwindung von Begrenzungen für ein Bewusstsein in Freiheit. Im Jahr vor seinem Abitur ist er fasziniert von der Theosophie und von dem Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner.
In einem zweiten Roman, „Gaudeamus“ (wörtlich: „Freuen wir uns!“), ebenfalls erst nach seinem Tod veröffentlicht, stellt er seine Jahre als Student dar. Darin beschreibt er auch seine Liebe zu seiner Kommilitonin Rica Stoicescu, die er möglichst platonisch und ganz in Kontrolle seiner „Virilität“ (männlichen Kraft) für sich gewinnen möchte. „Die Enthaltung war das, was ich am Sex am meistens schätzte.“ Und: „Ich arbeite an ihrer Seele, genauso wie ich beim Schreiben einer Geschichte arbeite.“
„Wir durchleben eine furchtbare Krise der Spiritualität; während dieser Krise sind wir verpflichtet, gewisse Werte zu zeigen…“
(Mircea Eliade)
Eliades Ideale sind ...
Wir hoffen, Sie finden diese Vorschau auf den Artikel aus dem Magazin VISIONEN interessant!
Es würde uns sehr freuen, Sie als neuen Abonnenten des Magazins begrüßen zu dürfen.