Jede Nacht tauchen wir ein in eine unbekannte Welt. Wir schlafen. In der Regel sind es sechs bis neun Stunden. Manche gönnen sich zusätzlich ein Schläfchen am Nachmittag, andere nicken abends vor dem Fernseher ein. Der Schlaf füllt etwa ein Drittel unseres Lebens. Ohne Schlaf fühlen wir uns nach spätestens drei Tagen sehr unwohl, nach fünf und mehr Tagen völliger Schlaflosigkeit ist die geistige und körperliche Gesundheit ernsthaft gefährdet. Schlafen ist lebensnotwendig. Nicht nur für Menschen. Selbst Insekten und Pflanzen brauchen eine Ruhephase, einen Rückzug vom Austausch mit der äußeren Welt.
Im Schlaf begegnen wir der inneren Welt. Im Tiefschlaf ist diese innere Welt ohne Form, völlig leer. Wir erleben Nichts – und können uns deshalb nach dem Aufwachen auch nicht daran erinnern. Die Tiefschlafphasen sind besonders wichtig. In dieser Zeit ruht sich das Gehirn aus. Alles im Leben braucht eine Phase der Regeneration.
Zwischendurch entstehen aus dem Nichts heraus Träume, Traumwelten. Gesundheitlich sind Tiefschlaf- und Traumphasen gleichermaßen wichtig. In vielen Untersuchungen wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass Störungen von Tief- und/oder Traumschlaf zu Stress, Konzentrationsschwächen, Gereiztheit, schließlich gar zu Depression, Panik, Halluzination führen. Schlafentzug ist eine bewährte Foltermethode.
Seit Sigmund Freud gilt der Traum als eine Art Ventil für unbewusste Wünsche und Kräfte, die unser Wachbewusstsein, also unser alltägliches Leben bestimmen. In der Psychoanalyse soll sich der Patient an seine Träume erinnern. Der Therapeut entdeckt darin verschlüsselte Botschaften, und gemeinsam werden die Inhalte aufgearbeitet. Die Methode ist: Heilung psychischer oder psychosomatischer Beschwerden durch schrittweise Bewusstwerdung von verdrängten Wünschen oder Ängsten.
„Der Tugendhafte begnügt sich, vom dem zu träumen, was der Böse im Leben verwirklicht.“
(Platon)
Dies alles ist richtig und wichtig, liegt aber nur im Umfeld von dem, worum es hier gehen soll. Die Psychoanalyse nimmt – wie die westliche Traumforschung insgesamt – das Wachbewusstsein zum Maßstab für die Beurteilung von Träumen. Das macht ja auch Sinn. Im Wachzustand können wir klar und logisch denken und analysieren. Und immerhin wissen wir ja morgens nach dem Aufwachen: Wir haben nur geträumt. Das Erlebte verschwindet als unwirklich. Die Traumwelt erscheint als ...
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