An Rudolf Steiner scheiden sich die Geister, seitdem er (um 1900) in einer breiteren Öffentlichkeit bemerkt wurde. Man ist Anhänger oder Gegner. Er erscheint den einen als Wirrkopf und Scharlatan, den anderen als Aufklärer der Menschheit und Initiator eines neuen Zeitalters. Der berühmte Schriftsteller Kurt Tucholsky veröffentlichte in der Berliner Weltbühne am 3. Juli 1924 seinen hämischen Bericht über einen Vortrag von Steiner in Paris. Dort heißt es u.a.: „Ich habe so etwas von einem unüberzeugten Menschen überhaupt noch nicht gesehen… Alles aus zweiter Hand, ärmlich, schlecht stilisiert… Man war versucht zu rufen: Danke – ich kaufe nichts.“
Christian Morgenstern dagegen war begeistert von Rudolf Steiner, widmete ihm seinen letzten Gedichtband und wollte ihn für den Friedensnobelpreis vorschlagen. Albert Schweitzer bekundete ein „Gefühl geistiger Zusammengehörigkeit“ und Selma Lagerlöf meinte: „Man soll nicht dasitzen wie ein träumender Mystiker, sondern durch Anstrengungen seines ganzen Denkvermögens dahin gelangen, die Welt, die uns sonst verborgen ist, zu sehen. Das ist wahr und richtig, und dazu ist alles bei ihm (Steiner) vertrauenswürdig und klug ohne Scharlatanerie. In einigen Jahren wird seine Lehre von den Kanzeln verkündet werden.“
„Frei ist der Mensch, insofern er in jedem Augenblick seines Lebens sich selbst zu folgen in der Lage ist.“ Rudolf Steiner, Die Philosophie der Freiheit
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