Weltethos – für gemeinsame Werte in allen Religionen

Weltethos – für gemeinsame Werte in allen Religionen

Hans Küng hat sich als Vordenker des Dialogs zwischen den Religionen und als Gründer des Projekts Weltethos einen Namen gemacht. VISIONEN würdigt die Arbeit des katholischen Theologen und Kirchenkritikers anlässlich seines 80. Geburtstags.

Ein Leben für die Theologie

Hans Küng wird am 19. März 1928 in Sursee, Kanton Luzern, Schweiz geboren. Von 1948 bis 1957 studiert er Philosophie und Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom und an der Sorbonne zu Paris. Erstes öffentliches Aufsehen erregt er mit seiner Dissertation über die Rechtfertigungslehre in Verbindung mit dem Werk des protestantischen Theologen Karl Barth. Es geht da um zentrale Fragen, die bereits Martin Luther in seiner Kritik an der katholischen Kirche aufgeworfen und mit denen er die Reformation ausgelöst hatte. „Wodurch sind wir vor Gottes Augen gerecht? Wie wird ein Sünder von seiner Schuld erlöst?“ Laut Luther, der sich dabei auf Paulus und Augustinus berufen kann, ist es allein der Glaube an die Gnade Gottes und die Barmherzigkeit Jesu, nicht aber die fromme Tat oder gar Geld – die Kirche verkaufte damals Schulderlassung (Ablasshandel). Küng befasst sich intensiv mit dieser Frage. Er sieht in der göttlichen Gnade, die durch nichts und niemanden erkauft werden kann, die Botschaft des Christentums und die Direktive für sein Leben. Die gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre von kirchenoffizieller Seite im Jahre 1999 ist durch seine Arbeit – wie er selbst glaubt – vorbereitet.

Ab 1960 ist Hans Küng Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät Tübingen an der Eberhard-Karls-Universität und 1962/63 einer der von Papst Johannes XXIII. berufenen Berater zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Er beeinflusst damals mit seinem Buch „Konzil und Wiedervereinigung“ (1960) die ökumenische Diskussion. Kardinal Ottaviani und Papst Paul VI. raten ihm in persönlichen, noch vertrauensvollen Gesprächen zu mehr Geduld und Zurückhaltung.

Auf Anregung von Küng wechselte Joseph Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., 1966 von der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster auf den Lehrstuhl für Katholische Dogmatik in Tübingen. Zwischen den beiden kommt es jedoch zum Bruch, als Ratzinger in der Auseinandersetzung mit der 68er-Bewegung konservativere Positionen vertritt, während Küng sich als Kritiker der Päpste profiliert.

Es kommt immer noch sehr viel auf den einzelnen Menschen an, im Kleinen wie im Großen. (Hans Küng)

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