Innerhalb seiner Kultur, des Hinduismus in all seinen Ausformungen, waren die Worte und das Handeln des Gautama Buddha eine Revolution. Er setzte sich über Grenzen hinweg, die seit scheinbar ewigen Zeiten bestanden. Seine Klarheit durchdrang die Illusionen des Verstandes, zerstörte überflüssige Konzepte, zerlegte überholte Ideen. Immer mehr Menschen scharten sich um ihn, manche wurden selbst erleuchtet, manche waren einfach fasziniert von der Ruhe und Kraft, die der Buddha verströmte. Nach und nach wurde aus seinem Weg erst eine Religion, dann gar eine Weltreligion – Texte wurden gesammelt und kommentiert, die Lehre wanderte in andere Länder, veränderte sich mit den dort vorherrschenden kulturellen Begebenheiten, verschiedene Richtungen entwickelten sich, Bücher wurden geschrieben und verbreitet, die letztlich auch ihren Weg in den Westen fanden, zusammen mit einigen asiatischen Meistern, deren stilles Lächeln uns verzauberte.
Fordert uns der Buddhismus heute noch heraus oder ist er ein Beruhigungsmittel geworden wie so viele andere Religionen?
Heute gibt es kaum eine moderne Wellness-Oase, die ohne eine Buddha-Statue auskommt. In jedem Garten-Center, in jeder Café-Lounge lächelt uns der Buddha an. Sanft, weise… und furchtbar langweilig. Manchmal hat man den Eindruck, der Buddhismus ist in seiner eigenen Achtsamkeit auf belanglos plätschernde Entspannungsmusik einfach eingeschlafen. Die Revolution des Geistes ist beim Kaffeeröster von nebenan angekommen und wird dort häppchenweise vermarktet.
Fordert uns der Buddhismus heute noch heraus oder ist er ein Beruhigungsmittel geworden wie so viele andere Religionen? Geht es auch anders? Kann die revolutionäre Kraft dieses Weges hier im Westen mit neuem Leben gefüllt? Gerade junge Menschen können mit einer piefigen Räucherstäbchen-Philosophie nicht viel anfangen, wünschen sich einen kraftvollen Weg, der wirklich Veränderung bringt, der einen durchschüttelt und die Wahrheit erkennen lässt. In den letzten Jahren sind ein paar junge buddhistische Lehrer aufgetaucht, die jenseits von bloßem Wellness-Buddhismus existieren. Junge Lehrer, die mit einem authentischen Wissen ausgestattet sind, dies jedoch auf völlig andere Weise vermitteln, als man das von buddhistischen Lehrern allgemein gewöhnt ist. Menschen, die nicht in Meditationszentren sozialisiert wurden, sondern in Abrisshäusern, auf Hardcore- und Punk- Konzerten, im Jugendknast oder auf dem Surfbrett. Die alles hinterfragt haben, was ihnen die Gesellschaft vorgelebt hat – genauso wie der Buddha es empfahl und selbst lebte. Und wenn ihre Art der Vermittlung von buddhistischen Lehren auch ungewöhnlich ist, so spürt man immer wieder ein tiefes Verständnis dieser Lebensweisheit, ein Durchdrungensein von einer authentischen Kraft, die auf verrückten Wegen durch den Weg der Meditation in ihr Leben getreten ist. Einer der außergewöhnlichsten Vertreter dieser neuen Generation buddhistischer Lehrer ist der Zen-Meister und frühere Punkrock-Bassist Brad Warner: ein Mann mit vielen Gesichtern, Teil der aufbrechenden Hardcore- und Punkszene, der in Japan an Low-Budget-Monsterfilmen und der Ultraman-TV-Serie arbeitete, während er gleichzeitig eine Ausbildung bei Gudo Nishijima Roshi durchlief und von diesem zum Linienhalter ernannt wurde. Brad spricht in seinen Vorträgen und Büchern von der Wirklichkeit, von Erleuchtung, Küchenschaben, schlimmen Barry-Manilow-Songs, der Notwendigkeit, alles zu hinterfragen und dem Paradies, das wir niemals erreichen werden.
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