Wo das Gespräch aufs Thema „Loslassen“ kommt, fängt das große Seufzen an. Irgendwie sehnt sich jeder danach loszulassen, und kann oder traut sich nicht, oder weiß nicht, wie. Im Zusammenhang damit wird über Ein- und Durchschlafstörungen geklagt, oder über Gewichtsprobleme, weil es mit dem Loslassen von schlechten Gewohnheiten nicht klappt.
Die Arbeit kann in der Freizeit nicht losgelassen werden, die Freizeit nicht während der Arbeit. Es wird an allem Möglichen gehaftet, an Verflossenem, an der Vergangenheit, an alten Wunden, verletztem Stolz und immer wieder an negativen Lebens- Um- und -Zuständen, zu Ungunsten einer Verbesserung. Aber warum ist Loslassen eigentlich so schwierig?
Jeder Körper ist auf seine Weise aufs Festhalten am Leben programmiert – ob menschlich, tierisch oder pflanzlich – und mobilisiert zu diesem Zweck im Notfall außergewöhnliche Fähigkeiten und Kräfte. Wir kommen zur Welt, mit Klammer- und Saugreflex fürs Überleben ausgerüstet, mit Instinkten, die sich quasi mit Zähnen und Krallen ans Leben klammern. Festhalten ist ein Urtrieb. Man könnte auch sagen: Loslassen – egal ob physisch, seelisch oder mental – ist irgendwie gegen die Natur. Ist es dann überhaupt möglich? Loslassen bedeutet immer in irgendeiner Weise, sich hinzugeben, sich zu ergeben, etwas aufzugeben – Loslassen macht Angst, weil wir darüber keine Kontrolle haben. Denn es geht beim Loslassen nicht darum, etwas zu tun, sondern darum, etwas geschehen zu lassen.
Loslassen bewirkt Verwandlung. Im Herbst fallen die Blätter, im Frühling sind sie Nährboden für neues Leben.
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