Flüstern allein genügt nicht

Flüstern allein genügt nicht

Sanfte Wege im Umgang mit Pferden

Sie werden Pferdeflüsterer genannt, doch mit Flüstern hat ihre Arbeit nichts zu tun. Vielmehr geht es um Vertrauen und Einfühlungsvermögen. Ihre Methoden sind gewaltfrei und effektiv. Wir haben drei bekannten Pferde-Trainern einmal über die Schulter geschaut.

Der große Hengst keilt so kräftig aus, dass den Zuschauern am Ring in der Messehalle der Bodenbelag ins Gesicht fliegt. Plötzlich bleibt er stehen, mustert den Mann, der ihm den Rücken zugekehrt hat. Neugierig spielt der Braune mit den Ohren und bewegt sich auf den Indianer zu. Das ist der Moment, in dem GaWaNi Pony Boy nicht nur die volle Aufmerksamkeit des Hengstes hat, sondern langsam dessen Vertrauen und Respekt gewinnt. Nach einer Weile folgt das stolze Tier dem Pferdetrainer ohne Führleine. Ganz gleich, in welche Richtung sich GaWaNi wendet, der Hengst wandert hinter ihm her, als sei er durch ein unsichtbares Band mit dem Menschen verbunden.

Später im Gespräch verrät Pony Boy: „Das war ein harter Brocken.“ Trotz der knappen halben Stunde, die der Vorführung für den Amerikaner reserviert war, konnte er das Vertrauen des widerspenstigen Hengstes gewinnen. Zufrieden ist der 46-Jährige aber nur bedingt, denn er arbeitet nicht gern unter Zeitdruck. „Es geht mir nicht um möglichst schnellen Erfolg“, stellt er klar.

GaWaNi ist Cherokee (vom Stamm der Tsa- La-Gi) und stolz auf sein indianisches Erbe. Nach seinem College-Abschluss in Geisteswissenschaften studierte er die Traditionen seines Volkes. Von den Alten verschiedener Stämme 50 VISIONEN 7/2008 lernte er die indianische Art, mit Pferden zu arbeiten. Pony sammelte die Erkenntnisse seiner Vorfahren, probierte deren Methoden aus und fügte eigene Erfahrungen hinzu. So entstand das Native American Horsemanship ®, ein Beziehungstraining (Relationship Training®), dem ein ganzheitliches Naturverständnis zugrunde liegt.

Iyuptala – eins sein mit

„Ein Pferd ist ein Pferd“, lautet Pony Boys Grundsatz. Mensch und Tier sollten iyuptala – eins sein. Dabei muss das Pferd den Menschen als Führer anerkennen. „Ein Pferd in der Herde folgt der Leitstute, weil es Vertrauen zu ihr hat“, sagt Pony Boy. Ist keine Herde da, muss der Mensch in dieser Zweierbeziehung die Aufgabe der Leitstute übernehmen. „Wenn Sie das nicht tun, wird Ihr Pferd der Führer“, warnt Pony Boy. „Für Indianer ist das Pferd Gefährte und Schutzbefohlener. Es kann alles von Geburt an. Es ist der Reiter, der lernen muss, seine Wünsche deutlich zu machen“, so der Experte.

Join up basiert auf non-verbaler Kommunikation zwischen Mensch und Pferd. Dabei wird dem Pferd der freie Wille belassen. Kommt es aufgrund der Kommunikation mit ihm zurück zum Menschen, wird es für seinen Entschluss mit Liebe belohnt.

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