Hand aufs Herz!

Hand aufs Herz!

Das Sternum-Projekt

Hand aufs Herz? Warum heißt es nicht: Hand aufs Hirn? Hand auf den Bauch? Hand aufs Knie? Verrückt, so eine Frage? Ja, eben. Keiner käme auf die Idee, denn man sagt: Hand aufs Herz!

Jubelnde Sportler legen ihre Hände nicht an die Hosennaht, sondern recken, strekken, werfen ihre Arme gen Himmel, ballen ihre Hand zur Faust und stoßen sie in die Luft. Manche jubeln auch so extrovertiert, dass sie den Maschendrahtzaun in der Fankurve anspringen. Dieses ekstatische Beispiel von Jubel sieht man des Öfteren beim Fußball. Möglicherweise würde dieses „Seht her, ich war’s“ noch von einem Tarzan-mäßigen Klopfen auf die Brust begleitet werden, wenn sich der Fußballheld nicht mit beiden Händen am Zaun festhalten müsste.

Womit wir beim Thema Sternum wären. Aus medizinischer Sicht ist das Sternum „nur“ das Brustbein des Menschen, welches sich in der Mitte der Brust befindet. Berührt man es jedoch, legt man Hand an die Zentrale der menschlichen Gefühlswelt.

Sitz intensiver Emotionen

Nicht nur in Augenblicken intensiver Freude, sondern auch in Momenten großer Enttäuschung besinnen sich Menschen auf diesen Punkt in ihrer Körpermitte. Nach einer schmerzlichen Niederlage des FC Bayern München sah man Oliver Kahn mit hängendem Kopf vom Rasen schleichen. Bei totaler Enttäuschung verwächst der Kopf für eine Zeitlang mit dem Sternum. Enttäuschte Menschen lassen ihn auf die Brust sinken, gehen in sich, sind nach innen gekehrt und in diesen Momenten nicht für den Blick in die Welt zu haben. Enttäuschung heißt hier: ganz bei sich sein wollen, mit niemandem den Kontakt suchen. Die Sache mit sich selber ausmachen wollen. Nicht offen sein – in diesem Moment für nichts und für niemanden.

Im Sternum ist das Leuchten der Seele, ist abgrundtiefe Trauer, ist das Scheitern wie auch der „Phoenix aus der Asche“, ist Zerfall und Auferstehung.

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