Hochsensitivität

Hochsensitivität

Die unbekannte Gabe

„Irgendwie anders“, dieses unbestimmte Gefühl vieler hochsensitiver Menschen kann zu Selbstzweifeln und inneren Blockaden führen. Mit dem Wissen um die eigene Veranlagung ergeben sich oft ganz neue Einsichten und Lösungen. So wird Hochsensibilität zur Gabe, zur Bereicherung des eigenen Lebens und des Lebens anderer.

VORGESTELLT. Barbara Sawitza ist Diplom-Agraringenieurin, freie Journalistin, Illustratorin und Kinderbuch-Autorin („Regenreise). Derzeit schreibt sie zusammen mit Germanus Piegsda ein Buch über Hochsensibilität.

HOCHSENSITIVITÄT = HOCHBEGABUNG?

„Ich wollte einfach wissen, was in meinem Kind vorgeht. Es war eine so schwierige Zeit, als sie mit dem Ritzen begann. Es ist schlimm, mit anzusehen, wie das eigene Kind sich so verletzt. Überall habe ich nach Hilfe gesucht.“ Marie, selbst hochsensitiv, wie sie inzwischen weiß, gelernte Krankenpflegerin und Heilpraktikerin, erzählt lebhaft und entspannt von ihrer nun erwachsenen Tochter. Die Freude darüber, dass beide die Schwierigkeiten hinter sich gelassen haben, ist ihr deutlich anzusehen. Umwege führten schließlich zum Ziel. In einer Klinik wurden Tests durchgeführt, mit eindeutigem Ergebnis: Ein IQ von 130 bestätigte eine Hochbegabung. „Ich begann, alles zu lesen, was ich in die Hände bekam. Denn ich wollte wissen, was das für uns bedeutet.“

Hochbegabung und Hochsensitivität liegen oft recht nahe beieinander, wie Erfahrungen aus der Praxis zeigen. Ob Hochsensibilität nun eine Form der Hochbegabung ist, oder ob es sich genau umgekehrt verhält, ist nicht genau zu definieren. Die Übergänge zwischen beiden Phänomenen sind fließend. „Ich sehe beides als interaktiv, in Wechselwirkung“, sagt Germanus Piegsda, Coach und Therapeut für Hochsensible und Hochbegabte Menschen. Das multifaktorielle Begabungsmodell der Münchner Psychologen Heller und Hany bezieht neben den intellektuellen Fähigkeiten auch sozialemotionale, musisch-künstlerische, musikalische oder psychomotorische Fähigkeiten, Kreativität und praktische Intelligenz in die Definition der Hochbegabung mit ein. Erfolgreiche Künstler, Musiker und Sportler zählen damit laut Definition zu den Hochbegabten. „Wenn diese Menschen nicht auch gleichzeitig hochsensibel wären, könnten sie nicht so erfolgreich sein“, meint Piegsda. „Um ein Beispiel zu nennen: Ein Künstler muss die Gabe haben, sich ganz in sein Bild hineinzuversetzen. Oder ein Stabhochspringer: Er muss eine extreme Sensibilität für seinen Sprungstab, für die Vibration, die Spannung, die Bewegung haben, um wirklich gut zu sein.“

„Erfolgreiche Künstler, Musiker und Sportler sind nicht nur hochbegabt, sondern auch hochsensitiv. Sonst könnten sie nicht so erfolgreich sein.“
(Germanus Piegsda, Coach für Hochsensitive)

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